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Fragen zur Langzeitpflege

Wo gibt es Hilfe für den alleinstehenden Vater? Was kostet ein Pflegeheimplatz? Welche Unterstützung kann ich bei der Pflege meiner dementen Mutter erwarten? Mit solchen und vielen anderen Fragestellungen rund um die Pflege von Betagten beschäftigt sich die Langzeitpflege des Kantons Basel-Stadt. In einer informativen Broschüre werden die Dienstleistungen dieser Abteilung zusammengefasst.

In guter Begleitung alt werden

Ein Gespräch mit dem ehemaligen Leiter der Abteilung Langzeitpflege, Felix Bader:

„In guter Begleitung alt werden“ heisst der Titel einer Broschüre der Abteilung Langzeitpflege. Eine zentrale Bedeutung scheint den Angehörigen zuzukommen. Wer spielt in der Praxis eigentlich eine grössere Rolle – die Kinder oder der bzw. die Partnerin einer pflegebedürftigen Person?

Felix Bader (FB): Kinder und Partnerinnen bzw. Partner halten sich in etwa die Waage. Oft steht die wichtigste Bezugsperson auch in einem anderen verwandtschaftlichen Verhältnis zur pflegebedürftigen Person oder es handelt sich um einen Beistand. Der überwiegende Teil der Bezugspersonen ist weiblich (Töchter, Enkelinnen, Schwiegertöchter, Nichten etc.). Dies hängt damit zusammen, dass Betreuungsaufgaben meist durch eine weibliche Person wahrgenommen werden.

Laut Broschüre bietet die Abteilung für Langzeitpflege „massgeschneiderte Angebote für Demenzkranke“. Was ist darunter konkret zu verstehen?

FB: Für die Pflege einer an Demenz leidenden Person ist es entscheidend, dass dem Stadium ihrer Krankheit entsprechende Massnahmen ergriffen werden. Bei einer Demenz im Anfangsstadium stehen Angebote spezialisierter Tagespflegeheime im Vordergrund. Bei fortgeschrittener Erkrankung ist der Eintritt in eine Demenzabteilung eines Pflegeheims angezeigt. Wichtig ist, dass Demente in ähnlichem Stadium zusammen gepflegt werden.

Felix Bader

Welche Ratschläge erteilen Sie einem 60-jährigen Ehepaar, das sich unsicher ist, ob die Pflege eines dementen Elternteils zu Hause nicht eine zu grosse Belastung für sie darstellt?

FB: In einem ersten Schritt soll die Demenz korrekt abgeklärt werden. In Basel-Stadt führen die Memory-Klinik des Universitätsspitals sowie das Felix Platter-Spital Tests durch. Danach werden in einem Gespräch mit einer Beraterin der Abteilung Langzeitpflege Möglichkeiten für die Pflege zu Hause ausgelotet. Zur Entlastung von zu Hause Pflegenden können vereinzelte oder regelmässige Besuche der pflegebedürftigen Person in einem Tagespflegeheim ins Auge gefasst werden.

Wie sieht es mit dem Angebot an externen Diensten in Basel aus – und wie mit der Kostenverteilung?

FB: Im Kanton Basel-Stadt ist ein breites Angebot an Dienstleistungen vorhanden. Zahlreiche Institutionen bieten Mahlzeitendienste an. Diverse Pflegeheime haben ein öffentliches Restaurant mit einem breiten Angebot an seniorengerechten Speisen. Diese Leistungen gehen grundsätzlich zu Lasten der Kunden. Spitex-Leistungen pflegerischer Natur werden zum grössten Teil durch die Krankenversicherung sowie durch den Kanton übernommen. Zulasten der Patientin bzw. des Patienten werden im Kanton Basel-Stadt maximal acht Franken pro Tag verrechnet. Durch Spitex Basel erbrachte Hauswirtschaftsleistungen werden vom Kanton subventioniert und weisen deshalb einen tieferen Stundenansatz auf als bei anderen Anbietern. Einige Krankenversicherer steuern einen Beitrag aus der Zusatzversicherung bei.

Viele Ältere glauben vermutlich, ein Pflegheim sei für sie unbezahlbar. Und die Kinder wiederum sehen das Erbe dahinschwinden… Hat die Abteilung Langzeitpflege oft mit solchen Leuten zu tun - und was sagt sie ihnen?

FB: Praktisch bei jeder Pflegeberatung spielen die Kosten eine Rolle. Die Abteilung Langzeitpflege weist dabei auf die verschiedenen Kostenträger hin. Mit Einführung der neuen Pflegefinanzierung zu Beginn dieses Jahres wurden einige Verbesserungen vorgenommen. So trägt der Heimbewohner bzw. die Heimbewohnerin für den Pflegebereich maximal 21.60 Fr. pro Tag. Hinzu kommen die Taxanteile für Hotellerie und Betreuung in der Höhe von 167 Franken pro Tag. Kann der Pflegeheimaufenthalt nicht aus eigenen Mitteln (AHV-Rente, Pensionskassengelder etc.) finanziert werden, besteht die Möglichkeit, beim Amt für Sozialbeiträge Ergänzungsleistungen zu beantragen.

Kann es vorkommen, dass die Angehörigen zur Kasse gebeten werden, um das Pflegeheim eines Elternteils mitzufinanzieren?

FB: Schenkungen oder Erbvorbezüge können bei der Berechnung von Ergänzungsleistungen berücksichtigt werden. In solchen Fällen kann es zu einer Zahlung im Sinne der Verwandtenunterstützung kommen. Das Ausmass hängt von der Höhe der Schenkung bzw. des Erbvorbezugs sowie vom Zeitpunkt der Gewährung ab.

Umgekehrter Fall: Wer jemanden zu Hause selber pflegt, hat doch Anspruch auf eine finanzielle Unterstützung. Wie gross ist diese? Und werden Kontrollen durchgeführt?

FB: Beiträge an die Pflege zu Hause können Personen beantragen, welche täglich während mehr als einer Stunde Pflege leisten. Die Höhe der Beiträge hängt dabei vom Grad der Hilflosigkeit ab, welche die zu pflegende Person aufweist. Der maximale tägliche Beitrag liegt bei etwa 30 Franken. Bei Hinweisen auf Pflegequalitätsmängel wird eine Prüfung durchgeführt.

Sind die Beratungsdienste der Abteilung Langzeitpflege kostenlos?

FB: Die Pflegeberaterinnen führen bei Bedarf Gespräche beim Patienten bzw. der Patientin im Spital oder bei der Person zu Hause durch. Die Beratungsdienste sind in beiden Fällen kostenlos.

Unter welchen Bedingungen kann ich eigentlich auf Angebote (Spitex, Mahlzeitendienste, Beratung) zurückgreifen? Muss ich im Kanton wohnen oder sogar während einer gewissen Zeit hier gewohnt haben?

FB: Die Beratung durch die Abteilung Langzeitpflege ist Einwohnerinnen und Einwohnern des Kantons Basel-Stadt vorbehalten. Bei Spitex-Pflegeleistungen besteht grundsätzlich kein Wohnsitzzwang. Es kann jedoch zu einer Deckungslücke bei der Restfinanzierung durch den Kanton kommen, wenn der Wohnkanton der Patientin bzw. des Patienten und der Standortkanton der Spitex-Organisation unterschiedliche Restfinanzierungsbeträge aufweisen. Die Lieferungen von Mahlzeitendiensten sowie die anderen Serviceleistungen sind abhängig von den jeweiligen Geschäftsbedingungen der Leistungserbringer.

Die Broschüre zum Download