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Einer, der sich kümmert

Zünfte sind in der Stadt Basel eine wichtige Stütze des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Gepflegt wird der Kontakt untereinander. Aufgefallen ist da etwa die Institution des Zunftpflegers. Jede Zunft hat ihren eigenen. Aus Anlass des Tags der Kranken am 1. Sonntags im März wird dieses Amt hier vorgestellt: Zunftpflege, eine der Aufgaben ist der Krankenbesuch.

„Spontan, persönlich, aber keine Überfälle!“

Er ist eine Vertrauensperson, bewahrt Stillschweigen und meldet sich, wenn jemand krank oder in Not ist: Der Zunftpfleger. Seine Einsätze sind spontan, unkompliziert und unbürokratisch. Alle Basler Zünfte haben ihren eigenen. Zum Beispiel Peter Breisinger, Vorgesetzter der E.E. Zunft zu Gartnern.

Der Zunftpfleger ist Teil der Institution Zunftbrüder in Not

An die zehn Telefongespräche pro Jahr, schätzt Peter Breisinger (59), führt er aus eigenem Antrieb mit Zunftbrüdern oder –schwestern (seit 2008 nimmt seine Zunft auch Frauen auf) von denen er schon lange nichts mehr gehört hat. Weil sie schon lange nicht mehr an einem Zunftanlass teilgenommen haben. Von denen er weiss, oder gehört hat dass sie krank sind, oder allein, gebrechlich. „Wir vermissen Dich, wie geht es Dir?“ Am besten nehme man das Telefon, so weiss er aus Erfahrung, gegen 11.15 Uhr vormittags oder 16.15 Uhr nachmittags in die Hand, da komme man meist gelegen. Erwünscht sein: Basis eines erfolgreichen Gesprächs. Vor allem: Keine unangekündigten Besuche im Krankenhaus oder im Alters- und Pflegeheim. Keine Überfälle, und seien sie noch so gut gemeint! Denn wer will schon etwas hilflos und überrascht im Pyjama seinem Zunftbruder gegenübersitzen? Die Schamschwelle respektieren.

Peter Breisinger

Seit 2014 ist Peter Breisinger Zunftpfleger E. E. Zunft zu Gartnern. Aus seiner beruflichen Tätigkeit als Sekretär des Kirchenrates der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt kennt er die vielfältigen Anliegen und Nöte. Ein offenes Ohr, sei es Einsamkeit, Alter, Gebrechlichkeit, ein Schicksalsschlag, Scheidung, Konkurs – die Palette ist theoretisch so breit wie das Leben selbst. Wenn es um konkrete Hilfeleistung geht, die einen Arzt erfordert, oder einen Anwalt, eine soziale Institution, so nimmt er eine Triage vor und vermittelt Adressen. Aber eigentlich sei das selten. Meist geht es um einen Krankenbesuch. Ein Gespräch. Da sein für jemanden, ansprechbar, am liebsten per Telefon. „Krankheit macht stumm“ schrieb der kürzlich verstorbene Basler Philosoph Hans Saner. Dieses Schweigen gilt es aufzubrechen.

Für weitere Informationen zu den Basler Zünften: Zünfte und Gesellschaften