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Private Pflegehilfe: Darauf müssen Sie achten

Stehen Sie vor der Entscheidung, für sich oder einen Angehörigen eine private Haushalts- oder Pflegehilfe zu organisieren? Ein neuer Ratgeber zeigt, auf welche rechtlichen Aspekte Sie bei einer Anstellung achten müssen, und wie Sie faire Arbeitsbedingungen bieten können. Bei einer „Rund um die Uhr“-Betreuung stossen allerdings viele Leute schnell einmal an ihre finanziellen Grenzen. Die von der Öffentlichkeit noch weitgehend ignorierte Alternative heisst in diesem Fall zunehmend „Engel aus Polen“.

Auf der Suche nach einer privaten und finanzierbaren Pflegehilfe

Gemäss den Leitlinien der Basler Alterspflegepolitik sollen betagte Menschen dank tatkräftiger Unterstützung von Angehörigen und Spitex-Diensten so lange wie möglich zu Hause leben können. Die kantonale Abteilung Langzeitpflege informiert auf Anfrage über die verschiedenen Möglichkeiten sowie die finanziellen Konditionen bei einer Hilfe und Pflege zu Hause oder in einem Pflegeheim. Finanzielle Konditionen

Es gibt hingegen Bedürftige oder deren Angehörige, die aus unterschiedlichen Motiven eine private Lösung als Ergänzung oder konkurrierend etwa zur Spitex vorziehen: Sie stellen eine Haushaltshilfe oder Pflegehilfe ein und werden Arbeitgeberin. Oder aber sie nutzen die Dienstleistung einer privaten Firma, wenn sie nicht selber Arbeitgeber werden wollen.

Die Anstellungsbedingungen sind komplex und nicht so leicht überschaubar. Diese Lücke hat ein Ratgeber der Fachstelle für Gleichstellung in Zürich zu schliessen versucht, Basel hat sich dem nun angeschlossen: Weil meistens nationale Gesetze zur Anwendung kommen, gilt das Gros der Ausführungen auch im Kanton Basel-Stadt.

Der neue Ratgeber der Abteilung Gleichstellung von Frauen und Männern des Kantons Basel-Stadt zeigt Privathaushalten auf, welche rechtlichen Aspekte Sie bei der Anstellung einer Haushalthilfe berücksichtigen müssen. Unter Care Ratgeber finden Sie weitere Infos und den Ratgeber zum Downloaden oder Bestellen.

Im Folgenden stichwortartig ein paar Tipps (der Zürcher Ratgeber kann entweder telefonisch unter 044 412 48 68 oder unter gleichstellung@zuerich.ch angefordert werden).

  • In Privathaushalten dürfen Sie nur Personen anstellen, die entweder Wohnsitz in der Schweiz haben oder aus dem EU-Raum kommen.
  • Auch wenn Ihnen private Firmen alles Administrative abnehmen und den Arbeitsvertrag aufsetzen, bleiben Sie selber Arbeitgeberin und müssen die damit verbundenen rechtlichen Pflichten einhalten.
  • Wenn eine Person mehr als fünf Stunden pro Woche hauswirtschaftliche Tätigkeiten verrichtet, gilt ein nationaler Mindestlohn. Für ungelernte Arbeitnehmende beträgt dieser brutto 18.20 Fr. pro Stunde, für Personen mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis in der Hauswirtschaft 22. Fr. brutto.
  • Wenn Arbeitnehmende wegen Krankheit oder Unfall nicht arbeiten können, muss der Lohn trotzdem weiter gezahlt werden. Die Dauer hängt von der Dauer des Arbeitsverhältnisses ab und ist kantonal unterschiedlich geregelt.
  • Die Kündigungsfristen betragen im 1. Dienstjahr ein Monat, vom 2. bis 9. zwei Monate und ab dem 10. Dienstjahr drei Monate. Zu beachten ist, dass die Kündigungsfristen auch im Todesfall der unterstützten Person gelten.

(Viele weitere Informationen finden Sie im besagten Ratgeber).

"Engel aus Polen"

Es gibt immer mehr privatwirtschaftliche Pflegefirmen, die als Ergänzung oder Konkurrenz zur Spitex Pflege- und Betreuungsleistungen anbieten. Eine notwendige oder gewünschte Intensivbetreuung rund um die Uhr geht aber sehr schnell einmal ins Geld. Denn die Kosten einer 24-Stunden-Rundumbetreuung (z.B. für Demente) von durchschnittlich 7000 bis 8000 Fr. oder noch mehr - in Einzelfällen ist gar von über 20 000 Fr. pro Monat die Rede - sprengen in vielen Fällen das Portemonnaie der betroffenen Familien. Die Krankenkassen tragen nur einen Bruchteil zur Entlastung bei.

Angehörige sehen sich in solchen Fällen deshalb gezwungen, nach einer kostengünstigeren Alternative Ausschau zu halten. Immer populärer/gefragter werden „Engel aus Polen“. Mit diesem Slogan wirbt eine Vermittlungsagentur für Care-Arbeitnehmerinnen. Rekrutiert werden diese Arbeitskräfte gerne aus Osteuropa. Ihre Dienste sind um ein Vielfaches billiger. Meistens handelt es sich um - oft gutqualifizierte - Frauen, die legal in die Schweiz kommen, hier drei Monate bleiben, zurückkehren und dann wieder auftauchen. Über die Arbeitsbedingungen können nur Vermutungen angestellt werden.

Das "Caritas-Modell"

Eine sozialverträglichere und gleichzeitig kostengünstige Strategie verfolgt seit kurzem Caritas Schweiz. Sie stellt für drei Monate Pflegerinnen und Pfleger aus Rumänien ein. Diese betreuen hierzulande ältere Menschen zu Hause und arbeiten unter fairen Arbeitsbedingungen. Der Bruttolohn beträgt laut Projektleiter Beat Vogel 4400 Fr. pro Monat.

Nach Abzug von Kost und Logis, Versicherungen und Steuern werden 2700 Fr. aufs Lohnkonto in Rumänien überwiesen. Die qualifizierte Pflege wird weiterhin von der Spitex gewährleistet. Vorderhand handelt es sich um ein Pilotprojekt in einigen Städten. Basel ist noch nicht mit der Partie. Nach ihrem Aufenthalt in der Schweiz verpflichten sich die Helferinnen und Helfer, mindestens drei Monate beim Caritas-Spitex-Dienst in Rumänien zu arbeiten.

Und in Basel?

Im nachfolgenden Interview äussert sich Felix Bader, ehemals Leiter der Abteilung Langzeitpflege im Kanton Basel-Stadt, zu einigen Fragen rund um die Thematik „Rekrutierung von Pflegehilfen“.

Herr Bader, wie oft werden Sie gefragt, wie oder ob man eine Polin als Pflegekraft in Basel engagieren kann, und ob Sie Hand dazu bieten?

(F.B.): Die Anfragen nehmen zwar zu, sind aber immer noch eher selten.

Was antworten Sie solchen Leuten?

Es ist Vorsicht geboten. Solange die Pflegekräfte aus dem Ausland nicht offiziell als solche tätig werden und wir keine Kenntnis von ihrer Anwesenheit haben, können wir unsere Aufsichtstätigkeit nicht wahrnehmen und können nicht garantieren, dass die Pflege durch adäquates Personal in guter Qualität erbracht wird.

Gibt es eine rechtlich einwandfreie und gleichzeitig (relativ) kostengünstige Lösung?

Pflegekosten sind zum überwiegenden Teil Personalkosten. Diese hängen von der Dauer der erbrachten Leistung sowie vom Stundenansatz der Pflegeperson ab. Wenn es sich um ein pflegeintensives Arrangement handelt und man der pflegenden Person einen adäquaten Lohn bezahlen will, liegt es in der Natur der Sache, dass es teuer wird.

Was halten Sie vom Caritas-Pilotprojekt?

Sämtliche Initiativen, welche zum Ziel haben, die Vermittlung von Betreuungspersonen unter Berücksichtigung der geltenden Gesetze und Vorschriften zu organisieren und eine gute Pflegequalität zu gewährleisten, sind zu begrüssen.

Muss bzw. müsste der Kanton Basel-Stadt nicht froh um eine billige externe Lösung sein, weil er sich dadurch Pflegekosten spart?

Grundsätzlich ja. Dies gilt aber nur für Lösungen, bei denen der Kanton seine Aufsichtspflicht wahrnehmen kann und eine gute Pflegequalität gewährleistet ist.

Wie erklären Sie sich überhaupt die riesige Differenz zwischen dem „schweizerischen“ und dem „polnischen Angebot“? Wieviel davon bleibt eigentlich am Ende bei den Hauptakteuren (Pflegekräfte) hängen, und wie teilt sich der Rest auf?

Leider verfügen wir in unserem Gesundheitsbereich nicht über diese Informationen. Es gilt allerdings zu bedenken, dass das Lohnniveau in der Schweiz etwa drei Mal so hoch ist wie in Polen. Es stellen sich aber wohl vor allem arbeitsrechtliche und moralische Fragen.