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Tiere in Heimen

Der positive Einfluss von Heimtieren auf das körperliche und seelische Wohlbefinden von Seniorinnen und Senioren ist unumstritten. Viele Alters- und Pflegheime scheuen aber den Aufwand und untersagen das Mitnehmen von Tieren ins Heim. Eine Ausnahme spielt das Alterszentrum Alban-Breite mit Direktor Adrian Kummer.

Therapeuten auf vier Pfoten

Beim Gespräch mit Adrian Kummer, Direktor des Alterszentrums Alban-Breite, darf sein Hund Nico selbstverständlich nicht fehlen. Die beiden sind ein unzertrennliches Team, haben zusammen die Sozialhundeausbildung in der Blindenhundeschule Allschwil absolviert. Der viereinhalbjährige Golden Retriever ist Dauergast im Heim an der Zürcherstrasse in Basel. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen sind entweder beide dort – oderbeide nicht. Wenn er mit seinem Hund unterwegs sei, richte sich das Interesse der Anwesenden aber primär auf das Tier, nicht auf ihn, räumt Kummer schmunzelnd, doch durchaus ernstgemeint ein. „ Nico ist unser aller Hund“.

Kummer setzt auf Tiere, insbesondere auf Hunde, weil er von deren positiver Wirkung auf die älteren Menschen im Heim absolut überzeugt ist. Unzählige wissenschaftliche Studien geben ihm recht. Erst kürzlich fand in Basel ein Anlass über „tiergestützte Aktivitäten bei Seniorinnen und Senioren“ statt. Dr. Karin Hediger vom Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung und Barbara Schärer von der Fachstelle „Leben mit Tieren im Heim“ zählten zahlreiche Gründe auf, weshalb Tiere so wertvoll für Menschen sein können, und zwar in psychologischer, sozialer und medizinischer Hinsicht. Weniger Medikamentenkonsum, weniger Schlafprobleme, eine positive Wirkung auf den Bluthochdruck und auf das Immunsystem, eine grössere Schmerzresistenz: So lauteten einige Argumente, die für eine Therapie auf vier Pfoten sprechen.

Auch Adrian Kummer zeigt sich immer wieder positiv überrascht, wenn etwa eine stark depressive ältere Frau aufblüht, wenn er mit Hund Nico in ihr Zimmer tritt. „Und plötzlich funktionierte dann auch ihre Feinmotorik wieder.

Als unumgänglich erachtet er allerdings, dass die Hunde gut ausgebildet seien und über eine feste Bezugsperson mit Verantwortungsbewusstsein für alle, Mensch und Hund, verfügten, betont der Direktor, der soeben eine Masterausbildung in Gerontologie abgeschlossen hat.

Hunde seien auch ideale Türöffner. Sie ermöglichten Kontakte, die ohne Tier oft nicht zustande kämen, gibt sich Kummer überzeugt. Nico spüre sofort, ob es jemandem schlecht gehe und reagiere immer adäquat.

Die Begeisterung des Direktors für Tiere kommt den Seniorinnen und Senioren im Heim auch noch auf andere Art und Weise zugute: Im Gegensatz zu den meisten Institutionen dieser Art sind von Bewohnern mitgebrachte Tiere (Vögel, Hunde und Katzen) im Alterszentrum Alban Breite hochwillkommen. Ein paar Katzen, Wellensittiche und sogar ein Papagei gastieren dort bereits. Kummer hätte nichts gegen ein paar weitere tierische Insassen einzuwenden, doch. „Viele Leute kommen gar nicht auf die Idee, danach zu fragen. Erst wenn Sie mich selber mit dem Hund sehen, erkundigen sie sich, ob sie ihr Tier auch mitnehmen dürfen“, sagt der Direktor.

Andere ältere Menschen hegten manchmal auch Vorbehalte, weil sie sich Gedanken machten, wie es mit dem Tier nach ihrem Tod weitergehe. „Gerade um solche Fragen klar zu regeln, schliessen wir mit den Insassen einen Vertrag ab“, klärt Kummer auf. Lösungen liessen sich immer finden, ist er überzeugt. Die Tiere könnten oft innerhalb der Familie oder in einem Tierheim platziert werden. Im Heim selber müsse sich der Aufwand für die Betreuung der Tiere natürlich in engen Grenzen halten.

In jedem Fall sollten solche Vorbehalte kein Grund sein, sich beim Heimeintritt von seinem Tier zu trennen. Wer seine Katze oder seinen Hund mitnehme, habe eine Aufgabe und erlebe in der verbleibenden Lebenszeit derart viele Freuden, dass sich ein solcher Entscheid per Saldo immer auszahle.

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