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Stellenkontaktbörse 50Plus

Das gute Bewerbungsdossier ist clever aufgebaut

So sicher nicht!

An der 2. Stellenkontaktbörse 50plus des Gewerbeverbands Basel-Stadt im April 2019 infomierten sich rund 500 Stellensuchende bei 17 möglichen Arbeitgebern aus der Region. Wer Glück hatte, fand vielleicht nicht den gesuchten Job, aber doch gute Hinweise, wie künftig vorzugehen ist. Wir haben uns umgehört.

Viel Hoffnungen macht sie sich nicht, aber man kann ja nie wissen… Und wegen diesem kleinen Quentchen Hoffnung ist sie hier: Anna M., gelernte Grafikerin, 50. Gut aussehend, gepflegt, offen und selbstbewusst. Viele Jahre hatte sie als Selbständige gearbeitet, doch vor rund zehn Jahren stellte sie fest, dass die Aufträge zurückgingen. Sie begann, sich nach etwas anderem, festem umzusehen. Sie dachte das sei «easy», erzählt sie, doch weit gefehlt. Was folgte, war eine lange zermürbende Suche. Mal arbeitete sie im Verkauf, dann wieder in einer kleinen Werbeagentur. Die letzte Stelle wurde ihr gekündigt, weil die Geschäftslage des kleinen Unternehmens nicht mehr rosig war. Anna M. meldete sich beim Arbeitsamt. Und was dann für sie begann, «war ein Frust». Das Coaching durch die Arbeitsvermittlung «ein Witz»: Generell liess sich die Lage für sie so zusammenfassen: Für Grafikberufe wurden Jüngere gesucht, für den Verkauf war sie «überqualifiziert».

Rund 500 Personen mit ähnlichen Biografien wie die von Anna M. kamen an diesem Aprilnachmittag zur 2. Stellenkontaktbörse 50plus, organisiert vom Gewerbeverband und dem Kanton Basel-Stadt (AWA und Berufsberatung), in die Premium Lounge des St. Jakob Parks. Es gab kein Gedränge, die Stimmung war unaufgeregt, locker sogar, man kam, um sich zu informieren. Und, wenn möglich, um sein Bewerbungsdossier an einem dem 17 Stände von Unternehmen aus der Region abzugeben. IT-Unternehmen, Banken, Altersheime, Spitexdienste (*siehe Liste unten): Die Palette war recht breit.

Und, seitens der rund 500 Stellensuchenden an diesem Nachmittag die Hoffnung klein, sich daselbst eine Stelle zu ergattern. Aber man kann ja nie wissen.

Die grosse Chance ist, hier direkt ein Feedback zu bekommen

Sagt beispielsweise Tobias S., 57, verheiratet, Facility Manager. Vor vier Jahren ist er zum ersten Mal arbeitslos geworden, weil nach 17 Jahren seine Firma «dicht gemacht» hatte. Es fand schnell eine neue Stelle, doch vor einem halben Jahr wurde ihm auch dort gekündigt. «Die Chemie habe nicht gestimmt», meint er trocken. Seither hat er alles versucht, was in seiner Macht stand. Ein 14-tägiges Coachingprogramm absolviert. Das sei schon sehr interessant gewesen, sagt er, zum Beispiel hat er viel darüber erfahren, wie man sich richtig bewirbt. Genützt hat es allerdings bislang nichts. «Ich werde mir gezielt einen Mentor suchen» sagt er, bevor er an das frei werdende Desk vorrückt, «wenn das heute nichts wird.» Man kann ja nie wissen. Und: «Hier ist man so nah dran wie nie.»

Ob das so stimmt? Reto Baumgartner, Leiter Berufsbildung und Personal und

Vizedirektor des Gewerbeverbandes, weiss von der ersten Stellenkontaktbörse im November, dass sechs der damals rund 500 Teilnehmenden auf diesem Weg eine Stelle gefunden haben. Viel ist das nicht. Ob die Veranstaltung auch künftig wiederholt wird, weiss Baumgartner heute noch nicht. «Wie wollen die Ergebnisse erst auswerten.»

Ein Zeichen für ältere Arbeitnehmer setzen

Warum nehmen die Unternehmen an dieser Stellenbörse teil? Erhoffen sie sich wirklich, auf diesem Weg die geeigneten Bewerber aufzuspüren?

Esther Jacuzzo, Personalverantwortliche der Agidens AG, schliesst dies zumindest nicht aus. Im letzten November hätten sie an dieser Stelle rund zwanzig Bewerbungsdossiers entgegengenommen. Sechs Personen seien zu einem Gespräch eingeladen worden, mit zwei sei man noch in Verhandlung. «Wir wollen in erster Linie die Message auf den Markt bringen, dass das Alter kein Thema bei uns ist». Das Unternehmen, spezialisiert auf Life Sciences und Medizinaltechnik, sucht sehr gut ausgebildete Fachkräfte. Und die sind rar. Die altersmässige Durchmischung sei optimal, die Jüngeren bringen die Flexibilität, die Älteren die Erfahrung.

Das hören wir oft, an diesem Nachmittag. Und dass Arbeitnehmer gesucht seien, die sich gut in den Betrieb einfügen. Ältere Arbeitnehmer sind nicht zwangsläufig teurer als junge, wenn sie für den Job die richtigen sind. «Am teuersten sind die häufigen Stellenwechsel», das hören wir an diesem Nachmittag mindestens ebenso oft. Gesucht werden allgemein gesprochen, gzieltes Fachwissen, Erfahrung und Eignung für den jeweiligen Job.

Stellencoaching: Das wichtigste ist die individuelle gezielte Bewerbung

Das ist das Fazit von Roland Bachmann, Berufs-, und Laufbahnberater bei der BIZ Berufsberatung. Er betreut einen der Stände, vor denen sich die längsten Warteschlangen bilden, das «Stellencoaching».

Die meisten die sich heute bei mir erkundigt haben, sagt Bachmann, sind sogenannte «Allrounder» und genau das macht es schwierig. Sein erster und wichtigster Rat ist deshalb, sich für die Bewerbung Zeit zu nehmen: Individuell und gezielt vorgehen. Seine Stärken und Qualitäten hervorheben. Wenn jemand in seiner Freizeit einen Sportclub leitet oder Konzerte organisiert, so muss er oder sie das unbedingt betonen. «Viele meinen, das sei Freizeit und deshalb für die Job nicht wichtig. Ganz falsch, weiss Baumgartner.

Der zweite Schritt ist, sich ganz genau zu überlegen, «wo passe ich hin?». Ohne Scheuklappen. «Was passt zu mir?» Dabei realistisch bleiben. Wer in seiner Freizeit sehr sozial ist, kann sich zum Beispiel überlegen, in einem Altersheim zu arbeiten und nicht bloss darauf fokussiert sein, dass man eigentlich bislang im kaufmännischen oder technischen Bereich eines Grossbetriebs gearbeitet hat. Besser, als viel Geld in Umschulungen zu investieren, sei es, ganz realistisch die eigenen Fähigkeiten zu analysieren und dies auch einzu bringen. Sich gezielt zu bewerben und nicht eine Bewerbung um der Bewerbung willen loszulassen. Sein Beziehungsnetz abzuklopfen, dieser Pool sei oft ergiebiger als man meint. Das wichtigste ist die individuelle, gezielte Bewerbung, auch durchaus als Spontanbewerbung, wenn man die Datenbank des anvisierten Unternehmens durchforstet hat und weiss, wozu man fähig ist und was zu einem passen würde. Ein gutes Bewerbungsdossier, das nicht 08/15, sondern clever aufgebaut ist, eines, das zum Unternehmen passt und die eigenen Stärken präsentiert. «Wenn ich das Gefühl habe: Diese Stelle in dieser Firma ist auf mich zugeschnitten, so bin ich auf dem richtigen Weg!»

*Liste der teilnehmenden Unternehmen an der Stellenkontaktbörse 50 plus: abilia; Agidens AG; Alterszentrum am Bachgraben; Basellandschaftliche Kantonalbank; Basler Verkehrs-Betriebe; Basler Versicherungen; Boehringer Ingelheim Schweiz GmbH; Classic Herrenmode; Endress+Hauser Flowtec AG; Gewerbeverband Basel-Stadt; Home Instead, Seniorendienste Basel GmbH; irides AG; primeo energie; Securitas AG; SPITEX BASEL; Universitätsspital Basel; von Rohr Armaturen AG

Weiterführende Links:

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Mentoringprogramm

avenir 50plus

Gewerbeverband Basel-Stadt