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Fragen zur Frühpensionierung

Dem Alltagstrott in der Firma endlich entfliehen, keine fruchtlosen Sitzungen mehr, nur noch unternehmen, wozu man Lust hat: Wer hat davon nicht auch schon geträumt? Eine mögliche Lösung heisst da Frühpensionierung. Wann kann man sich diese leisten? René Hohler, Leiter Finanz- und Steuerplanung bei einer Privatbank, nimmt zu Fragen rund um die Frühpensionierung Stellung. Seine Meinung:

„Auch Kleinverdiener können träumen“

Herr Hohler, was halten Sie von folgender Aussage: „Der vorzeitige Ruhestand ist ein Privileg der Gutverdiener. Kleinverdiener brauchen gar nicht erst anfangen zu träumen.“

René Hohler (RH): Das kann man so nicht sagen. Auch Kleinverdiener können von einer vorzeitigen Pensionierung träumen. Ausschlaggebend ist nicht nur die aktuelle Lohn- oder Vermögenssituation, sondern vor allem auch die zu erwartenden Lebenshaltungskosten. Da Gutverdiener oft auch höhere Auslagen, zum Beispiel für Steuern oder Luxusgüter haben, kann die Standortbestimmung vor einer möglichen Frühpensionierung "ähnlich" ausfallen.

René Hohler

Ab welchem Alter sollte man sich mit dem Thema Frühpensionierung zu beschäftigen beginnen?

(RH): Eine vorzeitige Pensionierung ist meist ab Alter 50 ein Thema, da einerseits bereits Pläne für die (Früh-) Pensionierung geschmiedet werden können, andererseits noch genügend Jahre verbleiben, die persönliche Situation zu optimieren.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Peter A. ist 55 Jahre alt und möchte sich mit 60 frühzeitig pensionieren lassen. Er hat zwei Kinder, das Haushaltseinkommen beträgt 120 000 Fr. brutto. Er besitzt ein Haus, wovon 80 Prozent fremdfinanziert ist, ein Vermögen von 150'000 Fr. und ein Säule 3a-Konto von 100000 Fr. (indirekte Amortisation). Was soll er mit diesen Eckwerten anfangen, bzw. was fangen Sie mit diesen Eckwerten als aufgesuchter Berater an?

(RH): Diese Angaben alleine sind leider nicht genug aussagekräftig. Es fehlen weitere für die Planung wichtige Informationen. Dies sind unter anderem:

  • Die Leistungen aus der Pensionskasse
  • Angaben bezüglich der Ehefrau (ist sie berufstätig und allenfalls einer Pensionskasse angeschlossen)
  • Die Höhe der notwendigen Amortisation, um die Belehnung der Liegenschaft auf 65% zu reduzieren

Ich würde Peter A. zusammen mit seiner Ehefrau zu einem unverbindlichen Erstgespräch einladen, um ihre Ziele und Vorstellungen im Detail zu erörtern.

Peter A. fühlt sich gesund. Sollte er sich deshalb eher für eine Kapitalauszahlung der 2. Säule statt für eine Rente entscheiden?

(RH): Dies lässt sich so isoliert betrachtet nicht beantworten. Um hier Peter A. eine aussagekräftige Entscheidungshilfe zu bieten, müssen alle für diesen Entscheid notwendigen Informationen zur Verfügung stehen und die Berechnungen auf mehrere Jahre erstellt werden.

Darf Peter A. das Geld aus dem Säule 3a-Konto eigentlich mit 60 Jahren von der Bank als Kapitalauszahlung verlangen – oder muss er damit notgedrungen die Hypothekenbelastung reduzieren?

(RH): Sofern das Kapital aus der Säule 3a nicht im Rahmen der indirekten Amortisation für die Hypothek verpfändet ist, kann Peter A. das Geld ab dem 60. Altersjahr beziehen. Vor Alter 60 wäre ein Vorbezug jedoch nur für die Amortisation der Hypothek der selbstbewohnten Liegenschaft möglich.

Apropos Hypothek: Erhalte ich als Frühpensionierter mit 60 von meiner Bank überhaupt noch eine neue Hypothek, wenn ab dieser Zeit die Festhypothek ausläuft?

(RH): Entsprechen die Belehnung und die Tragbarkeit vorgegebenen Kriterien, ist dies möglich.

Als Frühpensionierter mit 60 muss Peter A. noch bis im Alter von 65 Jahren AHV-Beiträge zahlen. Wie stark schlagen diese finanziell bei jemandem zu Buche, der ab 60 gar nicht mehr arbeitet?

(RH): Peter A. muss bis Alter 65 die AHV-Nichterwerbstätigen-Beiträge entrichten. Wie hoch diese sind, ist unter anderem abhängig von seiner Rente aus der Pensionskasse und seinem Vermögen. Die AHV verwendet hierzu eine Mischrechnung. Die daraus resultierenden Beiträge müssen im Detail und individuell beurteilt werden.

Peter A. ist wie erwähnt verheiratet und Familienvater. Erteilen Sie einem solchen Mann ganz andere Ratschläge als einem ledigen, kinderlosen Mann, der sich im gleichen Alter ebenfalls pensionieren lassen will?

(RH): Dies hängt wiederum von den Zielen, Wünschen und Vorstellungen der Personen ab. Es ist deshalb sehr wichtig, die jeweiligen Prioritäten der betreffenden Personen zu kennen. Darauf basierend werden individuell die Berechnungen und Konzepte erstellt. Es kann durchaus sein, dass dann unter dem Strich zwei komplett unterschiedliche Versionen vorliegen.

Wenn Peter A. als Frührentner nur noch halb soviel verdient, muss er in Zukunft doch auch viel weniger Steuern bezahlen. Stimmt das eigentlich?

(RH): Diese Aussage stimmt nur beschränkt. Peter A. wird vermutlich mit seinen Renten-leistungen weniger verdienen, kann jedoch auch weniger Abzüge steuerlich geltend machen, als während seiner Erwerbstätigkeit.

Das steuerbare Einkommen wird sich normalerweise nicht im gleichen Verhältnis reduzieren, wie das Erwerbseinkommen. Zudem kommt es auch darauf an, ob Peter A. die Vorsorgegelder der Pensionskasse in Rentenform, Kapitalform oder einem Mix daraus bezieht.

Als Berater haben Sie es ja mit den verschiedensten Kategorien an Ratssuchenden zu tun: Gibt es aber spezielle Punkte, an die von vielen Leuten nicht gedacht wird, wenn sich diese mit der Frühpensionierungsthematik auseinandersetzen?

(RH): In der Tat werden Finanzplaner täglich mit den unterschiedlichsten Kundensituationen konfrontiert. Das Wichtigste dabei ist, dass sich die Kunden über ihre Ziele und Wünsche frühzeitig Gedanken machen. In vielen Fällen sind sich die Kunden nicht bewusst, dass jedes Jahr, das sie früher in Pension gehen möchten, grosse Auswirkungen auf die Leistungen hat. Es ist unsere Aufgabe als Spezialisten, den Kunden neue Perspektiven aufzuzeigen, welche sie bisher noch nicht in Betracht gezogen haben.

Als Berater und Fachmann können auch Sie die Zukunft nicht voraussehen: Sie wissen nicht, wie lange ein Frühpensionierter lebt, ob er eine Rente also „ausnützen“ könnte. Sie wissen nicht, wie sich die Inflationsraten entwickeln, ebenso wenig, wann zum Beispiel eine Rente verfällt, weil der überlebende Partner plötzlich auch stirbt. Lässt sich bei so vielen unsicheren Variablen überhaupt eine seriöse Planung machen?

(RH): Dies sind tatsächlich Fragen, welche im Zeitpunkt der Erstellung des Finanzplanes nur zum Teil beantwortet werden können. Aber das ist bei jeder Beratung so: Wenn sie eine Festhypothek abschliessen, wissen Sie auch nicht, ob die Zinsen in einem Jahr vorteilhafter oder schlechter sein werden.

Unser Ziel bei den Beratungen ist es, dem Kunden eine Entscheidungsgrundlage, basierend auf seinen Wünschen und Bedürfnissen zu geben. Daraus können die zukünftigen Massnahmen und mögliche Alternativen abgeleitet werden. Dies können sein:

  • Rente versus Teilkapitalbezug,
  • Frühzeitige versus ordentliche Pensionierung

Wir vergleichen jeweils verschiedene Varianten, bei welchen dieselben Parameter (Zinssatz, Teuerung usw.) verwendet werden, damit der Kunde die verschiedenen Alternativen auch gegeneinander abwägen kann.

Eine gute Zusammenfassung zum Thema "Kann ich mir Frühpensionierung leisten?" bietet die Zeitschrift Bilanz mit ihrem Artikel "1x1 der frühen Rente".