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Wie Ältere einen neuen Job finden

Pascal Pfister

Pascal Pfister, Präsident des Vereins Workfair 50+, fordert Taten statt Worte.

Er ist Grossrat und seit April Präsident der SP Basel-Stadt, arbeitet Teilzeit bei der Stiftung Selbsthilfe Schweiz und war Gewerkschaftssekretär bei der Unia. Pascal Pfister, 40, ist studierter Ethnologe und unter anderem Mitbegründer und Präsident des Vereins Workfair 50+. Ein Gespräch über Bewerbungscoaching, Jobbörse und andere Massnahmen.

Älter Basel: Vorherrschend im Verein ist der Selbsthilfegedanke: Von Betroffenen für Betroffene! Sie selbst sind ja noch jung, welches Ziel verfolgen Sie mit dem Verein?

Pascal Pfister: Die Arbeitsbedingungen von älteren Arbeitnehmern ist ein sehr spannendes wichtiges Feld, auf dem ich mich gerne engagiere. Unser Ziel ist es, einerseits konkret Ratsuchenden Wege aufzuzeigen, im Sinne einer Triage, an wen sie sich wenden können. Andererseits aber auch die politische Arbeit, um neue Wege aufzuzeigen und etwa die Wirtschaft für das Problem zu sensibilisieren.

Wie setzt der Verein diese Ziele um? 
 
Wir verfolgen drei Wege : Wir wollen bewusstes Lobbying betreiben für die Situation der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Aber wir wollen auch Erwerbsmöglichkeiten schaffen. Und das dritte ist die Präventionsebene: Leute, die noch im Arbeitsprozess sind, müssen unterstützt werden, damit sie ihre Arbeit auch in Zukunft zu behalten. Dies dank vermehrter Weiterbildung und je nach dem auch Umschulung. Ich bin überzeugt davon, dass man das viel systematischer angehen müsste.

Mit Verpflichtungen? 
 
Zum Beispiel. Eine Verpflichtung zur Weiterbildung und zwar auf Arbeitnehmer- wie auf Arbeitgeberseite. Das könnte man gesetzlich im OR festhalten. Schweden beipielsweise kennt diese Verpflichtung und macht damit gute Erfahrungen. Dann müsste auch Bestehendes ausgebaut werden, etwa gezieltes Bewerbungcoaching für ältere Arbeitslose. Davon profitieren auch diejenigen, die noch im Arbeitsprozess drin sind, Bewerbungscoaching als Weiterbildung sozusagen.

Sie wollen auch ganz konkret Beschäftigung anbieten.

Wir haben einen kleinen Textil-Onlinehandel in unserem Büro an der Nauenstrasse 71 aufgezogen, die Idee ist mittelfristig die Schaffung einer Art Jobfactory für über 50-Jährige.

Bieten Sie auch Stellen an?

Nein, Stellen können wir noch nicht vermitteln. Wir arbeiten aber am Projekt Clickfair, einer Online-Jobbörse für über 50Jährige. Aber bereits bieten wir eine Beratung an im Sinne einer Triage der vorhandenen Möglichkeiten. An vorerst zwei Nachmittagen in der Woche bieten Vorstandmitglieder, selber von der Arbeitslosigkeit Betroffene, Beratung an. Man kann persönlich vorbeikommen, ein Mail schreiben oder telefonieren. Gemeinsam wird dann die Situation angeschaut, welche Möglichkeiten gibt es, an wen kann man sich wenden, wäre vielleicht eine psychologische Hilfe sinnvoll, oder möchte sich jemand selbständig machen? Die Frage ist immer, wo könnte man ansetzen.

Verein Workfair 50+: Im Einsatz für ältere Erwerbslose

Workfair 50+ setzt sich für Erwerbslose oder von der Erwerbslosigkeit betroffene Menschen über 50 ein. Der Verein zählt heute, ein Jahr nach Gründung, bereits rund 150 Mitglieder. Ziel des Vereins sind die Beratung und das Aufzeigen von Möglichkeiten im konkreten Einzelfall, aber auch die gezielte politische Einflussnahme, um die Chancen von Älteren auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

 Und das geht so einfach?

Die Beratung ist gerade bei höher qualifizierten Menschen anspruchsvoller, da liegen Lösungen oft nicht auf der Hand. Es geht auch darum, Menschen emotional aufzufangen. Da wir unabhängig sind, keine Behörde, ist das etwas einfacher als auf dem Arbeitsamt. Das Ganze spielt sich auf einer unabhängigeren Ebene ab. Es gibt ja viele Organisationen, die sich um diese Fragen kümmern. Und es gibt auch viele Lösungsansätze, wie die Situation entschärft werden könnte. Wichtig ist, dass man konkret weiss, an wen man sich wenden kann und dass auch von den Unternehmen Verbesserungen angestrebt werden müssen.  
   
  

Zum Beispiel?
Die Wirtschaft ist gefordert, Lösungen und Jobs anzubieten, etwa das vermehrte Jobsharing. Solche Modelle kennt man heute vor allem für Jüngere während der Familienphase. Wichtig wäre diese Möglichkeit eben gerade auch für Ältere - besser ein Teilzeitjob als gar keiner. Besser für Würde, Finanzen und Selbstwertgefühl. Arbeit gibt einem Würde und Anerkennung, Geld ist ja oft der zweite Teil. Mit Alters-Teilzeit könnte die Wirtschaft viel zur Entschärfung beitragen.

Stimmt der Eindruck, dass man heute älteren Arbeitnehmenden generell offener gegenübersteht?

Das stimmt glaub ich schon. Ich denke, es kommen immer mehrere Dinge zusammen, wenn jemand sehr lange arbeitslos bleibt. Die Qualifikation, die familiäre Situation, aber auch Persönliches. In diesem Sinne verstehe ich auch das Beratungsangebot des Vereins: Ein Gespräch von Betroffenen mit Betroffenen. Jemand hört mir zu, jemand der mich versteht und mich nicht gleich in eine Programm stecken will.

Infos zu Workfair 50+

Anfang Juni 2017 wurde die Geschäftsstelle an der 
Nauenstrasse 71, 4052 Basel eröffnet. 

Jeweils Mittwoch- und Freitagnachmittag 14-17 Uhr.
Helpline: 078 600 00 67
Homepage Workfair 50+