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Frühpensionierung

Weiterarbeiten trotz Frühpensionierung?

Frage: Ich bin 59 Jahre alt und möchte demnächst beruflich kürzer treten. Ganz aufhören zu arbeiten möchte ich aber nicht. Mein Arbeitgeber wäre bereit, mich nächstes Jahr vorzeitig in Pension zu schicken und mich danach auf Mandatsbasis weiter zu beschäftigen (mein Arbeitspensum würde dann noch ungefähr 30% betragen). Ist das möglich? A. F. aus B.

Die Antwort des Experten Norbert Kärcher: Ja, das ist grundsätzlich möglich. Es gibt dabei allerdings einige Faktoren zu berücksichtigen, die je nach dem grosse Auswirkungen auf Ihre zukünftige Situation haben können. Hier die wichtigsten Überlegungen, die Sie vor Ihrer Entscheidung abwägen sollten:

Selbstständigkeit oder Teilpensionierung?

Bei einer Arbeit auf Mandatsbasis sind Sie im Prinzip selbstständig erwerbend. Der Status der selbständigen Erwerbstätigkeit wird jeweils von der zuständigen Ausgleichskasse erteilt. Um diesen Status zu erlangen, müssen Sie (unter anderem) mindestens im Rahmen eines Businessplans darlegen, dass Sie mehrere Auftraggeber (also nicht nur Ihren jetzigen Arbeitgeber) bedienen.

Diesen Punkt sollten Sie unbedingt im Vorfeld einer Vereinbarung mit Ihrem Arbeitgeber klären, denn ohne den Status „selbständig erwerbend“ würden Sie automatisch als „angestellt“ gelten und dürften mit einem 30%-Pensum wieder der Pensionskassen-Pflicht unterstehen. Aus dieser Konstellation, die man offiziell „Teilpensionierung“ nennt, würden für Ihren Arbeitgeber zusätzliche Kosten entstehen. Wäre er damit einverstanden?

Eventuell würde das Pensionskassenreglement Ihres Arbeitgebers die oben erörterte Lösung aber gar nicht zulassen. Dann müsste die Pensionskasse eine separate Lösung (z.B. Einfrierung des PK-Kapitals bis zur Voll-Pensionierung) vorschlagen.

AHV-Beiträge

Ein Arbeitspensum von 30% gilt im Sinne der AHV als „nichterwerbstätig“. Das bedeutet, dass Sie als Nichterwerbstätiger je nach Ihren sozialen Verhältnissen einen gesamthaften AHV/IV/EO-Beitrag von 480 bis 24’000 Franken im Jahr (Stand 2014) entrichten müssten. Klären Sie rechtzeitig ab, wie hoch dieser Beitrag in Ihrem Fall wäre. Welches Gewicht würde dieser Beitrag im Verhältnis zu Ihrem Einkommen haben?

Ist die Frühpensionierung tragbar?

Überprüfen Sie sorgfältig, ob Ihre persönliche und finanzielle Gesamtsituation eine Frühpension auch nachhaltig ermöglicht. Ist eine Überbrückung bis zur AHV-Rente gewährleistet? Sind Reserven für Unvorhergesehenes vorhanden? Bleibt Ihnen genügend finanzielle Flexibilität für allfällige besondere Wünsche? Bedenken Sie auch, dass sich die Freizeit im Ruhestand vervielfacht – oft erhöhen sich dadurch die Lebenskosten. Und zu guter Letzt: Unterschätzen Sie nicht, wie sich die Inflation langfristig auf ihre persönlichen Finanzen auswirken könnte.

Mein Tipp: Alle finanziellen Aspekte sollen immer zu Gunsten der individuellen Lebensqualität strukturiert werden. Diese sollte stets als primäre Orientierung dienen.

Sie sehen, Ihre Frage ist sehr komplex und kann an dieser Stelle nicht abschliessend beantwortet werden. Ich empfehle Ihnen darum eine persönliche Beratung, die Ihnen bei Ihrer Entscheidungsfindung hilft.

Norbert Kärcher ist Finanzplaner mit eidg. Fachausweis bei der Basler Kantonalbank (norbert.kaercher@bkb.ch / 061 266 24 69