phone-xs phone-sm tablet-md laptop-lg desktop-xl

Betrüger werden immer cleverer

Tanja Gnauck: „Der Betrug bleibt in vielen Fällen unbemerkt“

Beim Umgang mit Kreditkarten ist Vorsicht am Platz. Denn Betrüger werden immer ideenreicher. Tanja Gnauck-Waskowski, Leiterin Produkt- und Segmentsmanagement bei der Basler Kantonalbank, gibt Antworten, wie man sich vor unliebsamen Überraschungen schützen kann.

Tanja Gnauck

Hie und da liest man von Betrügern, welche Minikameras oder gefälschte Tastaturen von Bancomaten installieren und dadurch Geld abheben können. Ist das hierzulande ein nennenswertes Problem?

Ja; das sogenannte „Skimming“ hat in den letzten Monaten nicht nur die Banken in der Schweiz, sondern auch andere Betreiber von elektronischen Zahlungsterminals – wie die SBB oder auch Migros und Coop - intensiv beschäftigt. Die Technik der Täter ist sehr ausgefeilt, und der Betrug bleibt in vielen Fällen unbemerkt.

Wie gehen die Betrüger genau vor?

Meistens wird auf den Kartenschlitz ein Skimmer montiert, der den Magnetstreifen der Karte kopiert. Gleichzeitig filmt eine Kleinstkamera am Tastaturfeld oder in der Sichtblende die Eingabe der PIN. Mit den Informationen auf dem Magnetstreifen fertigen die Betrüger Kartenduplikate an und beziehen mithilfe der gefilmten PIN aus dem Ausland dann Geld. Weil die Originalkarte im Besitz des Eigentümers bleibt, wird die Straftat häufig erst bei der Kontrolle des Kontoauszugs oder bei einer Kontoüberziehung bemerkt.

Und was lässt sich dagegen unternehmen?

Zum Schutz vor betrügerischen Machenschaften haben die Banken umfassende Massnahmen ergriffen. Fast überall wurden die Bancomaten auf den höchsten technischen Sicherheitsstandard umgerüstet und werden regelmässig auf Manipulationen überprüft. Ausserdem wurde die Kundschaft umfassend informiert und sensibilisiert.

Wie kann man sich selber am besten schützen?

Durch folgende drei Massnahmen kann das Risiko, selber Skimming-Opfer zu werden, deutlich eingeschränkt werden:

  • Vor dem Geldbezug sollte man überprüfen, ob am Bancomaten auffällige oder bewegliche Teile montiert sind.
  • Bei der PIN-Eingabe sollte man die Tastatur mit der freien Hand oder dem Portemonnaie abdecken.
  • Beim Geldbezug sollte man sich von niemandem über die Schultern blicken oder gar ablenken lassen.

Zu guter Letzt ist es natürlich auch wichtig, die Kontoauszüge zu überprüfen, damit allfällige Unregelmässigkeiten möglichst rasch festgestellt werden können.

Kann man eigentlich davon ausgehen, dass Betrüger vor allem Bancomaten ausserhalb eines Bankgebäudes im Visier haben?

Tendenziell haben wir festgestellt, dass die Bancomaten in den Bankgebäuden selber weniger häufig von Skimming-Betrügern manipuliert werden. Dies einerseits sicher deshalb, weil es dort umtriebiger und deshalb wohl schwieriger ist, unbemerkt die entsprechenden Vorrichtungen zu montieren. Ausserdem werden die Bancomaten in den 24h-Zonen der Bank vom Personal häufiger kontrolliert, wodurch eine Manipulation schneller auffliegen würde. Im Stadtgebiet werden die Bancomaten jedoch auch regelmässig kontrolliert.

Sorge ich für mehr Sicherheit in eigener Sache, wenn ich meinen persönlichen Pin-Code alle paar Wochen wieder ändere?

Das regelmässige Ändern des PIN–Codes empfehlen wir als Schutzmassnahme vor dem Skimming eigentlich nicht. Denn das Geld wird sehr oft bereits innerhalb von wenigen Stunden nach dem Ausspionieren abgehoben. Da die PIN nie aufgeschrieben und im Portemonnaie aufbewahrt werden soll, ist ausserdem die Gefahr sehr gross, dass sie vergessen werden könnte. Deshalb: Lieber die Geheimzahl über längere Zeit unverändert lassen und dafür auswendig merken.

Würden Sie älteren, schwächeren Personen generell davon abraten, nachts ohne Notwendigkeit Geld abzuheben? Oder worauf sollten diese zumindest achten?

Ganz unabhängig von der Skimming-Problematik empfehlen wir den älteren Kundinnen und Kunden beim Geldbezug folgende Ratschläge zu beachten:

  • Lieber Geld öfters und in kleineren Beträgen abheben.Stosszeiten (insbes. über Mittag) sind nach Möglichkeit generell zu vermeiden. Für Geldbezüge ideal sind deshalb der Vormittag und der Nachmittag.
  • Am Automaten sollte man sich immer Zeit lassen und Bargeld und Karte in Ruhe versorgen. Beim Geldbezug sollte man sich nie durch fremde Personen ablenken oder stören lassen.
  • Durch eine Kontrolle der Kartenbezüge auf dem Kontoauszug können Unregelmässigkeiten frühzeitig erkannt werden.

Themawechsel: Wie soll man mit E-Mails umgehen, in denen man aufgefordert wird, seine Kontonummer anzugeben?

Seriöse Finanzinstitute kennen die Problematik der Internet-Kriminalität und fordern allein schon aus diesem Grund von ihrer Kundschaft NIEMALS sensible Konto- oder Kartendaten per Email an. Deshalb: Wenn man in einem Mail nach Konto- oder Bankinformationen gefragt wird, sollten sofort alle Warnlampen blinken, denn es kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen werden, dass hinter dem Mail eine betrügerische Absicht steckt. Deshalb: Auf gar keinen Fall sollen Links angeklickt oder Bankdaten (insbesondere PIN o.ä.) angegeben werden. Weitere Informationen können im beiliegenden Factsheet „Phising“ nachgelesen werden).

Wie sicher ist eigentlich das Begleichen von Rechnungen im Internet? Bin ich nicht auf der sichereren Seite, wenn ich mich diesbezüglich „altmodisch“ verhalte und eine Geldanweisung per Post bevorzuge?

Beim E-Banking können wir Entwarnung geben: Das Bezahlen von Rechnungen über das Internet ist nicht nur sicher, sondern vor allem auch bequem. Allerdings müssen natürlich auch hier gewisse Vorsichtsmassnahmen beachtet werden.

Was heisst das im Detail?

Antivirenprogramme sollen nicht nur installiert sein, sondern auch regelmässig aktualisiert werden. Ausserdem kann die Sicherheit deutlich erhöht werden, wenn man das Passwort regelmässig ändert und statt der Matrixkarte die mobile-TAN nutzt. Bei diesem Sicherheitssystem erhält man nach Eingabe von Identifikationsnummer und Passwort im Computer sofort eine Kurznachricht auf das Mobiltelefon mit einer sogenannten mTan. Durch die Eingabe dieser mTan im Internet wird der Kunde vom System eindeutig identifiziert und erhält Zugang zu seinem E-Banking.

Noch eine ganz andere Frage zum Abschluss: Beim Bezahlen mit der Karte kommt es manchmal vor, dass sie vom Kartenlesegerät nicht gelesen werden kann. Hängt das mit einer vernachlässigten Pflege zusammen?

Die heutigen Karten sind zum Glück recht robust. Dennoch sollten einige Regeln beachtet werden, um Beschädigungen am Magnetstreifen oder Chip zu vermeiden. Verhindert werden sollte vor allem der Kontakt mit Magnetfeldern. Deshalb darf die Karte nicht zu nahe an Stereoanlagen, Mobiltelefonen, Computern oder Lautsprechern aufbewahrt werden. Um den Chip auf der Karte vor Kratzern zu schützen, empfehlen wir zudem, die Karte nicht zusammen mit dem Kleingeld aufzubewahren.

Weitere Tipps zum richtigen Umgang mit Kredit- und Maestro-Karten: Merkblatt skimming

Weitere Informationen unter: