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„BEIM GELDBEZUG SPEZIELL AUFPASSEN“

Tipps zum Schutz vor Übergriffen

Polizeikommissär Marco Liechti von der Basler Kantonspolizei gibt Tipps, wie sich ältere Menschen vor Übergriffen möglichst schützen können - und wie sie sich bei Eintreten eines solchen Falles am besten verhalten sollten.

„Täter beobachten ihre Opfer“

Marco Liechti

In letzter Zeit ist in den Medien weniger von Übergriffen auf ältere Personen die Rede. Können Sie diese Aussage bestätigen?

Marco Liechti: Es ist in der Tat so, dass es auch in der letzten Zeit zu Delikten gegen Seniorinnen und Senioren gekommen ist, einfach ein bisschen weniger gehäuft.. Im Bereich der Raubüberfälle stellen wir fest, dass nicht selten die Opfer Seniorinnen und Senioren sind. Wenn wir von Raub sprechen, so sind dies Delikte, bei welchen die Täterschaft mit Gewalt oder unter Androhung von Gewalt ihre Opfer bestiehlt. Dies kann ein bewaffneter Raubüberfall, ein Entreissen der Handtasche oder auch das Wegreissen einer Goldkette sein.

Wie kann man sich als älterer, eventuell leicht gebrechlicher Mensch am besten vor einem möglicherweise drohenden Überfall schützen?

Wir raten diesbezüglich, sich in kein Gespräch verwickeln zu lassen, aufmerksam zu sein und bei Auffälligkeiten umgehend die Polizei über die Notrufnummer 117 zu alarmieren. Besondere Aufmerksamkeit ist beim Geldbezug auf der Bank geboten. Täter beobachten ihre Opfer und folgen ihnen bis zu einem für sie geeigneten Ort, wo sie ihre Opfer ausrauben können. Unter anderem aus diesem Grund raten, wir dunkle, schlecht beleuchtete und abgelegene Strassen und Wege zu meiden. Der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste.

Was halten Sie von Mitteln wie beispielsweise Trillerpfeifen zur Abwehr?

Mit der Trillerpfeife erreichen wir eine Lautstärke von ca. 95 Dezibel. Dies ist laut genug, um einen Angreifer zu erschrecken und diesen Moment zur Flucht zu nutzen. Gleichzeitig werden die Passanten in der Umgebung auf die Situation aufmerksam gemacht, worauf meistens die Polizei alarmiert wird. Dasselbe funktioniert auch sehr gut mit einem lauten Schreien, bei welchem wir ebenfalls einen Wert von ca. 95 Dezibel erreichen. Wir empfehlen einen sogenannten Schrill- oder Taschenalarm. Diesen aktiviere ich und werfe ihn dem Täter vor die Füsse, auch mit dem Ziel, sofort flüchten zu können. Der Schrill-oder Taschenalarm erreicht eine Lautstärke von 115 Dezibel.

… Und von Pfeffersprays?

Der Pfefferspray ist grundsätzlich ein gutes Hilfsmittel, um einen Angreifer abzuwehren. Dessen Einsatz ist bei einem körperlichen Angriff, und somit einer Notwehrsituation, gesetzlich erlaubt. Je nach Alter und Fitness ist der Pfefferspray nicht das geeignete Hilfsmittel für Seniorinnen und Senioren. Wichtig bei einem Pfefferspray ist dessen Handhabung. Deshalb empfehlen wir diesen im Fachhandel zu kaufen, wo Senioren und Seniorinnen gut beraten werden. Wichtig ist, dass Hilfsmittel niemals bei einem Raubüberfall eingesetzt werden. Dies interpretiert die Täterschaft als Gegenwehr und die Situation eskaliert. Bei einem körperlichen Angriff hingegen empfehlen wir diese Hilfsmittel, um die Täterschaft abzuwehren.

Darf eigentlich jedermann einen Pfefferspray erwerben?

Ein Pfefferspray ist ab 18 Jahren zum Kauf freigegeben. Er untersteht nicht mehr dem Waffengesetz, sondern dem Chemikaliengesetz. Aus diesem Grund muss man beim Kauf im Fachhandel lediglich seinen Ausweis zeigen und die Kurzpersonalien angeben.

Was halten Sie von Selbstverteidigungskursen?

Selbstverteidigungskurse sind sehr empfehlenswert und stärken das Selbstbewusstsein. Dies strahlen wir wiederum aus, was durchaus auf potentielle Täter abschreckend wirken kann. Pro Senectute bietet immer wieder solche Kurse an.

Und wenn das Ereignis doch eintritt: Wie soll man sich bei einem Überfall verhalten?

Der Raubtäter nimmt Gewalt in Kauf und wendet diese falls nötig an. Dies macht den Raubtäter entsprechend brutal und gefährlich. Aus diesem Grund empfehlen wir, bei einem Raubüberfall so gut wie möglich Ruhe zu bewahren, den Forderungen der Täterschaft nachzukommen, die Hände sichtbar zu halten und niemals Gegenwehr zu leisten oder sogar den Raubtäter zu verfolgen.

Letzte Frage: Wie sollte man am Telefon reagieren, wenn eine unbekannte Nummer auf dem Display erscheint?

Dies gibt es immer wieder und deshalb ist es wichtig, dass man dahinter nicht immer sofort eine Täterschaft sieht. Vielmals sind es die lästigen Callcenter oder Firmen, welche den Seniorinnen und Senioren ihre Umfragen stellen oder Produkte verkaufen wollen. Wichtig ist es, dass man auch hier sehr aufmerksam ist und bei einem Verdacht sein Umfeld oder sogar die Polizei informiert.