phone-xs phone-sm tablet-md laptop-lg desktop-xl

Alterssimulationsanzug Reportage

Wir wollen alle alt werden, aber nicht alt sein: Wie sich das Alter anfühlt, kann nun mit einem neuen Alterssimulationsanzug getestet werden. Die Redaktion von www.aelterbasel.ch wagte einen Selbstversuch.

Ein Anzug, der Altersgebresten simuliert

Die Beine wiegen schwer, der Blick ist im wahrsten Sinne des Wortes getrübt. Wer den Gerontologischen Testanzug (GERT) übergestülpt bekommt, ist nicht nur von einer Minute auf die andere rund 30 Kilogramm schwerer. Zur Ausrüstung gehören auch „Zutaten“ wie Gelenkversteifer an Beinen und Armen sowie eine dicke Brille, die eine Eintrübung der Augenlinse simuliert. Nicht fehlen darf überdies eine Ohrmuschel, die der Hochtonschwerhörigkeit im Alter Rechnung trägt. „Was hesch gseit?“ ist denn auch die häufigste Frage, mit der der Proband seine Umgebung nervt.

Subjektiv die grössten Schwierigkeiten bereiten die Eintrübung der Augenlinse und die Einengung des Gesichtsfeldes. Erinnerungen an Skifreuden bei schlechten Wetterverhältnissen werden wach. Kontraste verschwinden vollständig. Man sieht nur weiss. Entsprechend unsicher bewege ich mich, suche überall automatisch einen Halt. Und stelle konsterniert und verwundert fest: Nicht einmal in öffentlichen Gebäuden in Basel mit regem älteren Publikumsverkehr sind beidseitige Handläufe eine Selbstverständlichkeit.

Typische Begleiterscheinungen des Alters verstehen

Mit dieser Feststellung ist ein Ziel von GERT bereits erfüllt: „Wer den Alterssimulationsanzug ausprobiert hat, kann die Verhaltenweise älterer Menschen besser verstehen und nachvollziehen“, gibt sich Jürgen Kupferschmid überzeugt. Der Anzug helfe auch, Gefahren für ältere Personen im Alltag schneller zu erkennen. Kupferschmid amtiert als Mediensprecher der Terz-Stiftung, deren oberstes Ziel die Interessensvertretung von Menschen im dritten Lebensabschnitt ist.

GERT war letztlich ein Kind der Automobil-Industrie in Deutschland. Ziel und Zweck: Die Kundenbedürfnisse älterer Menschen zu evaluieren sowie Dienstleistungen und Produktepalette zu optimieren. Zahlreiche Firmen und Institutionen haben denn auch schon Gebrauch von GERT gemacht, Prozesse verbessert und/oder ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit verschafft, typische Begleiterscheinungen des Alters für sich selber erlebbar zu machen.

Treppensturz: Ein Handlauf kann Leben retten

Ein spezielles Problem im Alter stellt die bereits angesprochene Treppen(un)sicherheit dar: Sigfried Schmid, langjähriger Experte für Treppensicherheit, wartet mit eindrücklichen Zahlen auf: Rund 1000 Menschen würden sich pro Jahr in der Schweiz bei einem Sturz tödliche Verletzungen zuziehen. Im Vergleich: Velofahrer sind im letzten Jahr knapp über 20 ums Leben gekommen. Die Gefahr, welche von suboptimalen Treppengeländer ausgingen, werde stark unterschätzt. Vielen hätte schon ein Handlauf das Leben gerettet.

Dabei ist die Treppe ein kostenloses Fitnessgerät, wie die Basler Ärztin Dr. Stephanie Bridenbaugh in einer neuen Broschüre der terz-Stiftung schreibt: „Wenn Senioren nicht aktiv bleiben und ihre körperlichen Fähigkeiten nicht regelmässig trainieren, verlieren sie kontinuierlich an Beweglichkeit, Kraft, Gleichgewicht und Ausdauer.“ Eine der effektivsten Alltagsaktivitäten zur Steigerung der Fitness sei tägliches Treppensteigen.

Die Broschüre „Tipps für hohe Treppensicherheit“ der Terz-Stiftung können Sie hier herunterladen. Sie gibt viele wertvolle Tipps, wie Sie Ihre Treppen sturzsicher machen.