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Depression

Depression kann nicht bloss als schlichte und schnell wieder vorübergehende Gemütskrankheit bezeichnet werden. „Sie erfasst uns als ganzen Menschen“, erklärt Dr. Johannes Beck. Der Oberarzt der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) in Basel referierte im Hirzbrunnen-Quartierzentrum über eine Krankheit, unter der nicht nur, aber überdurchschnittlich oft ältere Personen zu leiden haben. Im Mai 2011 wurde in Basel eine Tagesstätte 65+ für Leute mit einer psychischen Krankheit eröffnet.

Volles Haus war im Haus zum Rheinacker, dem Hirzbrunnen-Quartierzentrum: Die vom Basler Gesundheitsdepartement und Café Balance initiierte Veranstaltung über die Volkskrankheit Depression lockte zahlreiche Interessierte an. Dr. Johannes Beck, der sich auf die Erforschung und Behandlung dieser Volkskrankheit spezialisiert hat, warf zuerst einen Blick in die Vergangenheit. Depression sei ein uraltes Thema, sagte er. Schon der Philosoph Sokrates habe den Begriff der Melancholie in den Mund genommen ("präsent bis in die Körpersäfte hinein").

Der Arzt zählte einen ganzen Katalog von Merkmalen auf, die diese Krankheit kennzeichneten: Ein Gefühl der Gefühllosigkeit beispielsweise, aber auch Konzentrationsstörungen, Interessensverlust, eine verstärkte Neigung zum Grübeln oder Angstzustände. Vielen Depressiven fehle ein innerer Antrieb, auch Appetit- und Gewichtsverlust oder etwa Libidostörungen könnten Anzeichen dieser Krankheit sein. Letztlich müsse die Depression gar als eine lebensbedrohende Krankheit bezeichnet werden, denn nicht selten gehe der Lebensüberdruss in Suizid(gedanken) über.

Schlechte Laune komme und verschwinde ebenso wieder wie Traurigkeit oder eine niedergeschlagene Stimmung; Von einer Depression würde er aber erst sprechen, wenn ein solcher Gemütszustand länger als zwei Wochen am Stück anhalte, betonte Dr. Beck. Jede fünfte Person mache irgendwann in ihrem Leben eine solche Situation durch. Bei über der Hälfte der Betroffenen bleibe es nicht beim einmaligen Ereignis. Sie durchleideten mehrere Erkrankungsphasen.

Einschnitte wie der Verlust eines Lebenspartners oder eine Krankheit seien nicht selten Anlass für eine Depression. Ältere Menschen hätten im Durchschnitt naturgemäss eher unter solchen Schicksalsschlägen zu leiden und seien infolgedessen auch eher depressionsgefährdet. Als geradezu alarmierend wertete der Oberarzt der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UKK) das Faktum, dass die Suizidrate in höherem Alter rasant zunimmt.

In eher selteneren Fällen könne ein medizinisches Problem eine Depression auslösen, so etwa eine Schilddrüsenunterfunktion. Auch die Genetik – also die erbliche Veranlagung - spiele eine gewisse Rolle.

Ein wesentlicher Indikator sei aber sicher Stress. Wer immer auf Hochtouren laufe, bekomme bei entsprechender Disposition irgendwann ein Problem. Manche Menschen beispielsweise möchten Perfektionisten sein, die alles 100-prozentig richtig machen wollten und überhöhte Ansprüche an sich selber stellten – mit entsprechenden Stresssymptomen. „Dabei erwartet das die Gesellschaft gar nicht“, so Dr. Beck.

Gibt es eine nachhaltige Therapie bei Depressionen? Dr. Beck differenziert: Bei einer leichten Erkrankung sei dem Gespräch (Psychotherapie) Priorität einzuräumen. Medikamente würde er hier eher weniger einsetzen. Bei einer schweren Depression sei dagegen eine medikamentöse Behandlung angezeigt, inklusive dem Beizug eines Facharztes. Gespräche allein führten nicht zum Erfolg. Die Gefahr eines Rückfalls stuft der Arzt bei einem reinen Medikamenteneinsatz aber als relativ hoch ein.

Im Anschluss an das Referat wurde kurz die Stiftung Rheinleben (seit 01.06.2015 ein Zusammenschluss der Stiftung Melchior und der PSAG) vorgestellt, eine Tagesstätte für über 65-Jährige Männer oder über 64-jährige Frauen. Eine neue Tagesstätte wurde an der Laufenstrasse 8 im Basler Gundeldingerquartier eröffnet. Menschen mit einer psychischen Erkrankung erhalten eine sinnstiftende Tagesbeschäftigung und können ihre angeschlagene Psyche wieder stabilisieren.

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