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AMM Café Med

Medizinischer Rat am Beizentisch

Einmal im Monat wird das beliebte Restaurant Aeschenplatz zum "Café Med". Hier kann sich gratis beraten lassen, wer gesundheitliche Beschwerden hat und unsicher ist, welche Behandlung angebracht und sinnvoll wäre. Medizinische Fachpersonen verschiedenster Gebiete stehen Red’ und Antwort und bieten Entscheidungshilfe. Das für Basel neue Angebot fand zum zweiten Mal statt – ein Augenschein.

Im Eingangsbereich des Restaurant «Aeschenplatz» stauen sich die Ratsuchenden. Heute Nachmittag ist es das «Café Med». Die Tische sind besetzt, und wer noch keinen Sitz zugewiesen bekommen hat, wartet geduldig. Annina Hess-Cabalzar von der Akademie Menschenmedizin und Mitbegründerin des Café Med, nimmt mit einer Kollegin die Wünsche der Ratsuchenden auf, weist ihnen die entsprechende Fachperson respektive das Fachgebiet zu. Vor gut vor zwei Jahren hat sie zusammen mit ihrem kürzlich verstorbenen Mann, dem Arzt Christian Hess, sowie der Gynäkologin Brida von Castelberg das "AMM Café Med" in Zürich als erstes ergänzendes Beratungsangebot dieser Art in der Schweiz aufgebaut. Es folgten Angebote in Luzern, Winterthur und jetzt in Basel. Ihr Ziel: Ein humaneres Gesundheitswesen.

"Das war jetzt super!"

Im Eingangsbereich findet die sogenannte Triage statt. Eine jüngere Frau möchte eine gynäkologische Frage besprechen, ein älterer Herr hat Probleme mit dem Herz, ein anderer wirft das Stichwort Corona-Virus in den Raum. Derweil drängt ein älterer Herr, der soeben sein Gespräch beendet mit «seiner» Fachperson beendet hat, strahlend an den Wartenden vorbei Richtung Ausgang: «Das war super, jetzt. Einfach super!»

An diesem Nachmittag haben sich innert einer Stunde bereits 35 Ratsuchende eingefunden, die geduldig auf ihre Zweisprache mit der Fachperson warten oder bereits mitten drin sind im Gespräch. Alles läuft bemerkenswert ruhig ab, ohne Hektik. Man trinkt einen Kaffee, blättert in der Zeitung oder erzählt der Tischnachbarin von seinem Ohrensausen, bei dem niemand mehr weiterwisse, er selbst zuletzt. Zwischen acht und zwölf Fachleute, Onkologen, Hausärzte, Frauenärztinnen, Chirurgen, Psychologen, Spezialisten für Innere Medizin, werden sich an diesem Nachmittag die Zeit nehmen, um Patienten und Angehörigen ihre Fragen zu beantworten. «Wir unterstützen die Ratsuchenden mit unserem Fachwissen, damit sie anschliessend selbstbestimmt und eigenverantwortlich eine Entscheidung fällen können, sagt Psychotherapeutin Annina Hess-Cabalzar. In Zeiten von Fallpreispauschalen und Taxpunkten kommen Gespräche im normalen medizinischen Alltag oft zu kurz. Und: Die Medizin wird immer technischer und die Fragen immer kniffliger.

Solche fundierten Gespräche schaffen niederschwellig Abhilfe. "Der Kostenfaktor Zeit fällt bei diesem Angebot weg", sagt auch der Neurochirurg Hans Landolt, viele Jahre Leiter der Neurochirurgischen Klinik am Kantonsspital Aarau. Er berät soeben eine Dame, die vor einem halben Jahr Saxophon zu spielen begonnen hat und inzwischen zwei Finger nur noch mit starken Schmerzen bewegen kann. Im Internet hat sie gelesen über Arthrose und Arthritis, über Spritzen und Operationen. Heisst das jetzt, sie muss das Instrument im Keller verstauen? Auch sie wird nach diesem Gespräch sehr viel beruhigter dem Ausgang zustreben. Sie weiss jetzt, welchen Weg sie einschlagen wird: Vorerst ohne Handspezialist und vor allem -mit Saxophon.

Rezepte werden keine ausgestellt

Rezepte werden hier keine ausgestellt und keine Überweisungen geschrieben. Hier können die Menschen in aller Ruhe ihr Fragen stellen. Die Ärztinnen und Ärzte und medizinischen Fachpersonen - in der Regel bereits pensioniert, damit sich mögliche Interessenkonflikte schon gar nicht abzeichnen können - stellen ihr Fachwissen freiwillig und ohne Honorar zur Verfügung. Ihr Beitrag an eine menschliche Medizin. Und fast eine Art Wiedergutmachung dafür, dass man im hektischen Berufsalltag vielleicht dafür zu wenig Zeit hatte.

Zur Zeit findet wegen der Coronakrise kein Café Med statt

Weitere Infos zum AMM Café Med:

Akademie Menschenmedizin