phone-xs phone-sm tablet-md laptop-lg desktop-xl
Früherkennung kann Leben retten

Mammografie-Screening-Programm

Seit August 2014 haben alle in Basel-Stadt wohnhaften Frauen zwischen dem 50. und 69. Altersjahr die Möglichkeit, an einem systematischen Mammografie-Screening Programm zur Brustkrebs-Früherkennung teilzunehmen. Neu werden auch Baslerinnen bis zum 74. Lebensjahr zur Teilnahme am Programm eingeladen. Im Kanton Basel-Stadt führt die Krebsliga beider Basel das kantonale Programm durch. Die Kosten werden von der Grundversicherung der Krankenkasse übernommen. Die Frauen werden persönlich angeschrieben. Durchgeführt wird das Programm durch die Krebsliga beider Basel.

„Es geht um Lebensqualität bei der Brustkrebs-Früherkennung“

Eine Brustkrebs-Früherkennung mit digitaler Mammografie kann Brustkrebs zwar nicht verhindern, ein bestehendes Karzinom aber frühzeitig erkennen. Dank dieser Früherkennung steigen die Heilungschancen und die Lebensqualität der betroffenen Frau erheblich. Warum aber werden Nutzen und Schaden dieser offensichtlich lebensrettenden Untersuchung in den Medien so kontrovers dargestellt? Ein Gespräch mit dem Leiter des Brustkrebs-Früherkennungsprogrammes Basel-Stadt, Prof. Dr. med. Athanassios Dellas.

Prof. Athanassios Dellas

www.aelterbasel.ch: Wie würden Sie eine Frau, die unschlüssig ist, ob sie am Screening-Programm teilnehmen soll, von den Vorteilen der Untersuchung überzeugen?

Prof. Dellas: Mit Argumenten. Das Mammakarzinom ist der häufigste Krebs der Frau. Eine digitale Mammografie verschafft Frauen die Möglichkeit, Brustkrebs frühzeitig zu erkennen. Bund und Kantone haben beschlossen, Frauen diese Möglichkeit mit einem Programm kostenlos zur Verfügung zu stellen. Es gibt Krebserkrankungen, bei denen die Früherkennung möglich ist, dazu gehört der Brustkrebs, der Dickdarmkrebs und das Melanom. Ein öffentliches Programm für Frauen über 50 wurde eingerichtet, weil sie so die Chance haben, dass ein bösartiger Tumor mit der digitalen Mammografie frühzeitig nachgewiesen werden kann. Diese Tumoren sind dann vergleichsweise kleiner als die Tumoren, die ausserhalb von Qualitäts-gesicherten Programmen gefunden werden. Das Risiko, dass er bereits Tochterzellen abgesiedelt hat, ist damit klein. Das bedeutet, dass die Prognose der Krebserkrankung günstiger sein kann.

Das zentrale Argument der Krebsfrüherkennung ist somit: Früherkennung kann Leben retten?

Jede in einem Programm durchgeführte Früherkennungsuntersuchung hat zum Ziel, Krebs frühzeitig zu entdecken. Bei einem Krebsnachweis sind so die Therapiemöglichkeiten besser und wir finden eine klare Reduktion der Krebssterblichkeit. Das sind entscheidende Kriterien für eine bessere Lebensqualität nach Krebsdiagnose. Brustkrebs-Früherkennung kann verhindern, dass eine Frau am Brustkrebs stirbt.

Es können auch Tumoren erkannt werden, die nie zum Tod der Frau geführt hätten?

In der ärztlichen Tätigkeit ausser- und innerhalb von Krebs-Früherkennungsprogrammen werden auch Tumoren entdeckt, die nie zum Tod der betreffenden Person führen würden. Da kommt ein Mann, eine Frau, die sagen, ich fühle da einen Knoten, es wird operiert, und es stellt sich heraus, es war ein gutartiger Knoten. Da sagt man: Gott sei Dank. In einem Programm spricht man in diesem Fall von einem falsch-positiven Befund. In den Medien wird gelegentlich über den Begriff Überdiagnose in einem Programm gesprochen. Das hat insofern eine bestimmte Berechtigung, wenn die Frau beispielsweise 78 Jahre alt ist, das Screening weist einen Krebs nach, und die Frau stirbt dann mit 80 Jahren an etwas völlig anderem.

Das Screening Programm konfrontiert die Frauen mit der Frage: soll ich zum Screening gehen, soll ich nicht gehen, will ich lieber meine Ruhe haben? Es gibt das Risiko der Überdiagnose, der Falschdiagnose…

Den Begriff Überdiagnose möchten wir für die Situation verwenden, wenn die Frau sehr alt ist und nach Krebsdiagnose aufgrund ihres hohen Alters oder einer anderen Krankheit stirbt. Bei jüngeren Frauen haben wir nicht die Möglichkeit zu entscheiden, ob der Krebs Metastasen macht oder nicht. Macht er Metastasen, macht er keine? Bleibt der Krebs im Ruhezustand oder wächst er weiter? Nach unserem gegenwärtigen Erkenntnisstand wird ein Brustkrebs, gegen den nichts getan wird, weiter wachsen. Wenn er nicht entfernt wird, wird er zu einem bestimmten Zeitpunkt Metastasen bilden, das heisst, er wird das Leben der Frau zu einem bestimmten Zeitpunkt dramatisch gefährden. Aus klinischer Perspektive ist es absurd, in einer solchen Situation von Überdiagnose zu sprechen.

Es ist auch vorgekommen, dass ein radiologischer Befund erhoben wurde, obwohl kein bösartiger Tumor nachweisbar war (falsch positiv) oder es wurde keiner festgestellt, obwohl ein Tumor da war (falsch negativ). Wie häufig sind solche Diagnosen?

Falsch-positive Diagnosen sind mit oder ohne Programm häufig. Nicht jeder tastbare Knoten ist ein Krebs. Nicht jeder unsichere Befund in der Mammografie erweist sich aber als bösartig. Falsch-positiv bedeutet, wenn zwei Radiologen, welche ja notwendigerweise unabhängig voneinander die Mammografie-Bilder begutachten, zum Schluss kommen, dass eine unklare Veränderung des Brustgewebes vorliegt. Dann werden sie entscheiden, dass zur Sicherung der Diagnose eine weitere Abklärung stattfinden muss, z. B. mit einer zusätzlichen Mammografie, mittels Ultraschall oder seltener einer Biopsie. Wird dann kein Krebs gefunden, sondern nur ein gutartiger Befund, kann die Frau beruhigt nach Hause gehen. Sie war wegen dem ersten Ergebnis, dass eine Zusatzuntersuchung nach sich gezogen hat, bedauerlicherweise ein paar Tage beunruhigt. Aber am Schluss kann sie beruhigt sein, dass kein Krebs besteht. Das ist in der Medizin ein alltäglicher Vorgang.

Falsch-negativ heisst, wenn in extrem seltenen Fällen beide Radiologen einen Befund falsch beurteilen oder einen Krebs übersehen, weil der Befund sehr klein ist und erst später nachweisbar wird. Eine Ausnahme sind die sogenannten Intervallkarzinome. Hier liegt keine falsch-negative Diagnose vor, sondern diese Karzinome entstehen zwischen zwei Screeningrunden. Beide Situationen sind sehr selten.

Warum ist Brustkrebs der häufigste Krebs bei der Frau?

Es gibt eine Anzahl von Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs. Brustkrebs ist ein hormonabhängiger Krebs und es ist eine Erkrankung des Alters. Es ist letztlich der Preis, den wir zahlen fürs Älterwerden. Bei den Männern ist dies der Prostatakrebs, der ja auch mit zunehmendem Alter an Häufigkeit zunimmt.

Die Untersuchung selbst ist zwar kurz aber unangenehm

Die Technik der Mammografie hat sich in den letzten Jahren weiter entwickelt. Im Screening wird heute ausschliesslich die digitale Mammografie verwendet. Im Vergleich zur Film-Mammografie ist die Strahlenbelastung während der Aufnahmen deutlich geringer als früher. Ein bestimmter Kompressionsdruck auf die Brust ist notwendig, um eine optimale Bildqualität und die geringstmögliche Strahlenbelastung zu erreichen. Die Kompression der Brust kann bei der digitalen Mammografie als unangenehm empfunden werden. Die Fachfrauen für Medizinisch-Technische Radiologie der Basler Institute sind sehr gut ausgebildet und sind darauf bedacht, diesen Moment der Kompression erträglich zu gestalten.

Gibt es Alternativen?

Nein, zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine Alternative zur digitalen Mammografie als Methode der Brustkrebs-Früherkennung. Es gibt das Brust-MRI, das im Einzelfall eingesetzt werden kann, wenn eine Frau die Mammografie nicht toleriert oder wenn eine zusätzliche Risikosituation vorliegt. In einem kantonalen Programm wird von den Krankenversicherern nur die digitale Mammografie ohne Belastung der Franchise bezahlt.

Was bringt die jährliche Tastuntersuchung beim Frauenarzt?

Die Tastuntersuchung ist keine effektive Untersuchungsmethode zur Krebsfrüherkennung. Je nach Brustgrösse können kleine Knoten schlecht oder nicht ertastet werden. Das Ziel der Mammografie-Untersuchung ist es, möglichst kleine und nicht tastbare bösartige Tumoren frühzeitig zu entdecken. Die bösartigen Brusttumoren, die jetzt im Programm erkannt werden, sind so klein, dass sie nicht ertastet werden können. Andererseits empfehlen wir selbstverständlich die gelegentliche Selbstuntersuchung der Brüste. Die Frau selbst oder ihre Frauenärztin können so in den Screening-Intervallen (von 2 Jahren) mögliche Veränderungen erkennen und weiter abklären.

Zur Erhöhung der Altersgrenze beim Screeningprogramm:

Gesundheitsdepartement Basel-Stadt