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Migration

...und es kamen Menschen

Eine Anlaufstelle in Basel

Im Kanton Basel-Stadt soll eine zentrale Anlaufstelle für ältere Menschen - ein Kompetenzzentrum mit interkultureller Ausrichtung - eingerichtet werden: Dieses Ziel spricht der Basler SP-Grossrat Mustafa Atici in einem politischen Vorstoss an. Wie eine Netzwerkveranstaltung im Begegnungszentrum Union verdeutlichte, ruhen auf einer solchen Anlaufstelle grosse Hoffnungen.

Präsidialdepartement (Integration Basel), GGG Ausländerberatung, Evangelisch-reformierte und katholische Kirche, Gsünder Basel, Verein 55 Basler Seniorenkonferenz, HEKS Regionalstelle und Pro Senectute in den beiden Basel, Schweizerisches Rotes Kreuz, das Alterszentrum Falkenstein u.a. mehr: Das ist eine Auflistung an Organisationen, die sich kürzlich im Begegnungszentrum Union zu einem Gedankenaustausch unter dem Titel „Netzwerk Alter und Migration“ trafen.

An Institutionen, die sich mit Themen wie Gesundheit und Pflege, dem Wohnen im Alter oder der Rückkehr von Migrantinnen und Migranten beschäftigen, herrscht im Kanton Basel-Stadt kein Mangel. Aber: „Oft bleibt unklar, wer wo die nötigen Antworten und Lösungen bereit hält oder welche Bedürfnisse vorhanden sind“, heisst es im Einladungstext. Hauptsinn und Zweck des Anlasses bestand denn auch darin, sich über Angebote und Bedürfnisse, aber auch über noch vorhandene Lücken auszutauschen.

Ein Fazit über Migration und Gesundheit zieht Philipp Waibel, Leiter Bereich Gesundheitsdienste, in seinem einführenden Referat. Seine erstaunlichste Erkenntnis: „Kürzlich Eingewanderte sind gesünder als jene, die seit längerem in der Schweiz leben“. Über die genauen Gründe tappe man noch im Dunkeln. Ebenso machte er aber auch darauf aufmerksam, dass Teile der Migrationsbevölkerung oft mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko leben, überdurchschnittlich von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen sind, und ihr Gesundheitszustand schlechter ist als derjenige der Einheimischen. Angesichts von über 160 hier lebenden Nationalitäten fragt sich Philipp Waibel, an wen sich die kantonalen Migrationsangebote eigentlich richteten, und ob der Kanton sich diesbezüglich nicht stärker niederschwellig auf Gebiete konzentrieren sollte, „wo die Probleme wohnen“. Andere Fragen, die der Leiter Gesundheitsdienste den Anwesenden stellte: „Wie trennen wir das Wünsch- vom Machbaren? Oder: Wie vernetzen wir die Unterschiede und wo finden wir das Gemeinsame?

In den workshops war von ein paar konkreten Forderungen und Ideen die Rede. Handlungsbedarf wird nicht zuletzt in der Kommunikation gesehen. Wie und wo könne man ältere Migrantinnen und Migranten überhaupt erreichen? Persönlichen Begegnungen werden mehr Chancen eingeräumt als schriftlicher Information. Als informelle Aufenthaltsorte für Männer kämen Moscheen in Frage, bei Frauen eher grosse Einkaufszentren. Auch der noch stärkere Einbezug von Secondos und Secondas als sprachliche Brückenbauer steht auf der Traktandenliste. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass man von der älteren Migrantenbevölkerung nicht mehr verlangen könne, dass sie noch die deutsche Sprache lernen.

Am meisten zur Sprache kommt aber immer wieder der Aufbau eines Alterszentrums, wie dies der Basler SP-Grossrat Mustafa Attici in einem politischen Vorstoss anspricht. Ältere Menschen, unter ihnen vor allem für Migrantinnen und Migranten, seien bei Angeboten der Altenhilfe und im Gesundheitswesen oft überfordert. Gefragt seien Lösungen, um älteren Menschen Zugang zum ausgefeilten System der Altenhilfe zu ermöglichen. Zu diesem Zweck sollen die bestehenden Stellen im Altersbereich zu einem Kompetenzzentrum ausgebaut werden, schreibt Attici in seinem Vorstoss. Konkret anvisiert wird eine Beratungsstelle, „welche die Institutionen, die im Gesundheits-, Wohn- und Sozialbereich tätig sind, koordiniert, und insbesondere Leute mit Migrationshintergrund miteinbezieht.“ Als nächstes ist jetzt die Regierung am Zug. Sie soll die Schaffung eines derartigen Kompetenzzentrums prüfen und darüber berichten.

Netzwerk Alter und Migration