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Lebensübergänge bewältigen und nutzen

Lebensübergänge aktiv gestalten

Das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt widmet die kommenden Aktionstage „Psychische Gesundheit“ vom 22. – 29. Oktober 2017 den Lebensübergängen. Diese können jeden und jede und jederzeit treffen. Schwere Krankheit, Verlust des Arbeitsplatzes, Trennung vom Lebenspartner - das sind Situationen und Ereignisse, die das gewohnte Leben umkrempeln. Der nachfolgende Text stammt von Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt und Leiter Medizinische Dienste.

An bestimmte Ereignisse erinnern wir uns ein Leben lang. Ein Teil davon ist voraussehbar: Der erste Schultag, der Antritt einer neuen Stelle, die Geburt der eigenen Kinder oder die Pensionierung. Andere lebensgeschichtliche Übergänge treffen uns scheinbar völlig unvor-bereitet, sei es beispielsweise eine schwere Krankheit oder grössere Veränderungen am Arbeitsplatz. Im Lauf unseres Lebens begegnen wir zahlreichen erwarteten und unerwarte-ten Lebensübergängen. Das Leben selbst ist vielleicht gar eine Kette von solchen Übergängen, die über längere Zeit hinweg ineinander greifen. Jeder dieser Lebensüber-gänge ist mit einem mehr oder weniger starken Veränderungsprozess verbunden. Nicht selten stellen diese Lebenspunkte eine krisenanfällige Zeit dar, in der auch Belastungen, Überforderungen und psychische und körperliche Erkrankungen auftreten können. Es liegt in der Natur der Sache, dass Lebensübergänge mit Unsicherheiten verbunden sind. Oft zwingen uns Lebensübergänge, gewohnte Pfade zu verlassen und Schritte nach vorne ins Unbekannte zu wagen. So kann der neue Hafen nur erreicht werden, wenn der alte ver-lassen wird. Gelingt der Übergang, bieten sich aber häufig Chancen für neue, lebendige Entwicklungen und es zeigen sich bisher ungenützte Möglichkeiten. Umgekehrt, wenn Menschen nicht loslassen können und versuchen, mit aller Kraft den alten Zustand aufrecht zu erhalten, dann überfordern sie sich und resignieren im weiteren Verlauf, da sich der Fortlauf der Zeit nie aufhalten lässt.

Doch gerade bei schwierigen, einschneidenden Lebensveränderungen hilft der Hinweis, dass bessere Zeiten kommen, oft im Moment wenig. Dank der uns ureigenen Resilienz ist der Mensch aber in der Lage, auch diese schweren Phasen gut zu überstehen. Mit Resilienz ist eine seelisch-emotionale Widerstandskraft gemeint, die uns hilft, Krisen gut zu über-stehen. Aus der heutigen Forschung weiss man, dass diese innere Widerstandskraft gezielt gefördert werden kann, um auf schwierige Zeiten besser vorbereitet zu sein. So sind beispielsweise Menschen, welche sich bewusst mit den Herausforderungen von Lebens-übergängen auseinandersetzen, besser gegen daraus resultierende Lebenskrisen geschützt. Das intensive Erleben der Umwelt, beispielsweise in der Natur, das Finden des eigenen Lebenssinns sowie Familie, Freundeskreis und Hobbies helfen, die eigene, seelisch emotionale Widerstandskraft gegen Krisen und Schicksalsschläge zu stärken. Bei voraussehbaren Lebensveränderungen hilft der bewusste Umgang mit der kommenden Veränderung. Bei erzwungenen, plötzlichen Lebensübergängen beispielsweise bei Todesfällen und Trennung helfen oft Rituale, um einen Umgang mit dem schweren, gegebenenfalls nicht erwarteten Ereignis zu finden und davon ausgehend auch neue Wege zu sehen. So ist beispielsweise das Trauerritual um einen Verstorbenen ein wichtiger Schritt in allen Kulturen, welche vom gemeinsamen Abschied auch wieder zum Leben führt.

Auf diese Weise können kleinere und grössere Lebensübergänge, trotz ihrer möglichen krisenhaften Belastung, auch Raum zum Wachsen und Weiterentwickeln der eigenen Persönlichkeit geben.

(Dieser Text erschien zuerst in der Mitarbeiterzeitung des Kantons BSintern Oktober 2017).

Die Aktionstage „Psychische Gesundheit“ vom 22. – 29. Oktober 2017 widmen sich diesen Lebensübergängen. Im Rahmen von unterschiedlichsten Veranstaltungen werden verschiedenste Übergangszeiten thematisiert. Mehr dazu erfahren Sie auf der Homepage www.allesgutebasel.ch der Medizinischen Dienste des Gesundheitsdepartements. Die Veranstaltungen bieten eine gute Gelegenheit, sich aktiv mit den eigenen, vielleicht bald aktuellen, nächsten Lebensübergängen zu beschäftigen.

Weiterführende Literatur für Interessierte

Verena Kast Lebenskrisen werden Lebenschancen Herder Verlag 2014

Jens Förster Der kleine Krisenkiller Knaur 2017