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"Jetzt widmen wir uns der Generationensolidarität"

Gisela Kontantinidis ist kürzlich für zwei Jahre zur Präsidentin des Vereins 55+ -Basler Seniorenkonferenz, gewählt worden. Als diese will sie zeigen, «wo Ältere in unserer Gesellschaft der Schuh drückt.» Das geht nur mit viel – freiwilligem - Einsatz . Für wen nimmt man diese Arbeit auf sich? Und ist der Erfolg messbar? Ein Gespräch.

Aelterbasel: Sie haben ein sehr aktives Berufsleben als Pflegefachfrau und Erwachsenenbildnerin hinter sich, sind aktive Grossmutter, haben ein interessantes Privatleben, warum engagieren Sie sich politisch für ältere Menschen?

Gisela Konstantinidis:Es ist mir wichtig, dass Senioren in unserer Gesellschaft und Politik gehört werden und in Entscheidungen, die sie betreffen, einbezogen werden.

Unter dem Dach «Verein 55+ - Basler Seniorenkonferenz», den Sie nun für die kommenden zwei Jahre präsidieren, sind diverse Seniorenorganisationen vereint. Ist das schwierig oder andersrum: Wie bringen Sie alle diese Organisationen unter einen Hut?

Der gemeinsame Hut ist vielleicht der Wille, etwas für die älteren Menschen zu erreichen. Die einzelnen Seniorenorganisationen, die im Verein vertreten sind, kommen ja aus den diversesten politischen Spektren. Im Verein müssen wir die politischen Lager überwinden und uns in den Sachfragen finden. Doch man findet da nicht immer einen Konsens und es kann vorkommen, dass wir als Verein in einer politischen Abstimmungsfrage – wie etwa der jüngsten wichtigen Abstimmung um die gemeinsame Spitalplanung der Kantone BS und BL keine gemeinsame Parole fassen können. Die einzelnen Organisationen fassen vielleicht eine Parole, aber nicht der Verein. Es ist diese spannende Vielfalt, die reizt und zum Engagement verleitet.

Wen wollen Sie mit Ihrer Arbeit ansprechen?

Wir als Verein können ja keine neuen Mitglieder werben, bei uns macht man als Delegierte einer der beteiligten Organisationen mit. Wir repräsentieren alle angeschlossenen Vereine und Organisationen und eines unserer Ziele ist es, dass man als Seniorin oder Senior Lust bekommt, in einer dieser Organisationen mitzumachen. Wichtig ist uns, dass man weiss: In Basel gibt es eine Organisation, die sich um die Belange der älteren Menschen kümmert.

Wie würden Sie dieses «Sich kümmern» umschreiben?

In einem sehr politischen Sinn: Wir nehmen Fragen aus der Bevölkerung auf und verfolgen diese politisch weiter. Wir haben regelmässigen Kontakt mit den Departementen des Kantons und da bringen wir uns ein.

Mit welchen Themen zum Beispiel?

Wir haben uns lange mit dem Thema «Wohnen» beschäftigt. Die Wohnschutzinitiative, die Initiative bezahlbares Wohnen im Alter, damit hatten wir uns sehr intensiv befasst und beschäftigen uns in einer Arbeitsgruppe auch weiterhin hin damit. Wir haben festgestellt, dass wir mit Zahlen belegen müssen, wenn wir etwas fordern. Einfach auf einen sogenannten Missstand hinweisen reicht nicht. Die ganze Thematik bezahlbarer Wohnraum betrifft wohl ältere Menschen, aber auch beispielsweise junge Familien, das heisst, wir müssen unsere Positionen der älteren Menschen genau darlegen und belegen, wenn wir etwas erreichen wollen. Das ist unsere politische Arbeit.

Das zweite, worüber wir breit kommuniziert haben, ist die uns sehr wichtige Infostelle «Info älter werden», die im November 2017 beim GGG Wegweiser eingerichtet wurde. Diese möchten wir auch weiterhin noch bekannter machen.

Welche Themen wollen Sie im 2019 aufnehmen, wo liegen die Prioritäten?

Beschlossen ist, dass wir dieses Jahr das Thema «Generationensolidarität» aufnehmen. Wir sehen, dass Junge heute immer mehr den Eindruck haben, sie müssten für uns Ältere finanziell den Kopf hinhalten. Generationensolidarität umfasst ein weites Spektrum von möglichen Aspekten. In einem Workshop mit dem weit herum bekannten Gerontologen Prof. François Höpflinger werden wir herauskristallisieren, welche Aspekte wir näher bearbeiten wollen.

Im Herbst wird wieder eine wichtige Veranstaltung stattfinden, der Marktplatz 55+ in der Markthalle…

Ja, und das ist auch eine Supersache. Doch letztlich geht es immer um dasselbe: Um die Interessen von älteren Menschen, die breit und vielfältig dargestellt werden. Älterwerden als Chance, grössere Freiheit zu nutzen und so den vielleicht als negativ erlebten Einschränkungen etwas entgegenzusetzen.

Weitere Infos zum Verein 55+ - Basler Seniorenkonferenz und den einzelnen Organisationen finden Sie: hier