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Pro Senectute: Das Alter aus der Schmuddelecke holen

Angebote vom modernen Fitnesscenter bis zum ipad Kurs haben das Potential, die Lebenqualität von älteren Menschen erheblich zu steigern. Die Kunst ist, sie attraktiv verpackt an die Frau respektive den Mann zu bringen. Von der Kunst, Vorurteile abzubauen - ein Interview mit Sabine Währen, Geschäftleiterin der Pro Senectute Beider Basel.

Sabine Währen

Pro Senectute ist eine von mehreren Organisationen im Alterssegment. Was bietet Pro Senectute beider Basel konkret an, wer ist Ihre Zielgruppe?

Zielgruppe sind Menschen im Pensionsalter. Im Aktivierungsbereich und Bereich Sport sind es Menschen ab 50, bei der Bildung 60 bis rund 70 Jahren, also kurz bevor und nachdem sie pensioniert sind. Der andere Teil ist der soziale Bereich, aus dem wir ja ursprünglich auch herkommen, dort sind es Menschen im AHV-Alter und ihre Angehörigen, tendenziell eher die älteren, also im sogenannt fragilen Rentenalter, über 75. Dasselbe gilt für den ganzen Servicebereich.

Der Bildungs- und Sportbereich heisst neu akzent forum. Warum nicht Pro Senectute?

Wir haben feststellt, dass eine gewisse Hemmschwelle besteht, ein Angebot von „Pro Senectute“ zu beanspruchen, es ist einfacher zu sagen, ich gehe in einen Kurs von akzent forum. Wir alle haben, geselllschaftlich bedingt, Mühe mit dem Begriff Alter, und Mühe damit, den Begriff auf uns selber anzuwenden.

Warum ist das Alter, das doch so viel Freiheiten zulässt, so negativ besetzt?

Eine Antwort könnte da zu finden sein: Die Menschen der 68iger Generation, die jetzt langsam ins Alter kommen, wollten ja damals Alter geradezu abschaffen. Traue keinem über 30, das war so die Grundthese. Dh, wenn wir, auch ich gehöre zu dieser Generation, 60 werden, haben wir nicht die entsprechenden Altersbilder, weil wir das Alter ja abgeschafft haben.

Gehört das auch zu Ihren Aufgaben, an diesem Altersbild zu arbeiten?

Es ist eine unserer grossen Aufgaben, diese Altersbilder aufzuweichen und zu öffnen, das Alter etwas aus der Schmuddelecke zu holen. Alter als etwas, das man schamhaft versteckt.

Welche Ihrer Angebote helfen dabei und wie begehrt sind diese?

Angebote im Sportbereich sind zunehmend gefragt, deshalb haben wir einen neuen Kraftraum eröffnet. Das Wissen, dass man gut daran tut, rechtzeitig etwas für seinen Körper zu tun, hat sich langsam etabliert. Aber es gibt heute viele Ältere, die nicht mehr in einen Kraftraum wollen, in dem sie Seite an Seite mit Zwanzigjährigen Sport treiben und trotzdem das ganze Leistungsangebot wollen. Im Bereich Bildung stagniert die Nachfrage etwas.

Was sind dort die Zugpferde?

Zukunft sehe ich vor allem im ganzen EDV-Bereich. Ipad-Kurse, in denen alles geboten wird, von Gerät kaufen, einrichten und dann beherrschen. Technik, möglichst einfach vermittelt, das ist heute ein grosses Bedürfnis. Was auch immer sehr beliebt ist, sind die ganzen kulturellen Angbebote, Führungen, Vorträge etc. Ganz spezifisch auf die Interessen von etwas älteren Menschen zugeschnitten.

Wie spüren Sie die Bedürfnisse auf? Machen Sie Umfragen?

Bedürfnisse erfahren wir über die Kunden selbst, über ihr Feedback. Auf Nachfrage reagieren wir schnell und unkomliziert. Wir versuchen einfach etwas, vielleicht läufts, vielleicht auch nicht. Dann setzen wir es wieder ab. Manchmal sind wir fast der Zeit voraus und plötzlich zieht etwas.

Wer finanziert die Kurse? Sind sie besonders günstig?

Nein. In diesem Bereich erhalten wir keine staatlichen Subventionen, dh, wer ein Angebot beansprucht, muss es auch bezahlen. Aber die Kaufkraft ist bei Älteren oft nicht das Problem. Und wenn es eines ist, versuchen wir mit Mitteln aus Spendengeldern und diversen Fonds einzuspringen. Unser Ziel ist aber nicht a priori der günstige Preis, sondern mehr qualitativ: Wir arbeiten in kleinen Gruppen, bieten Qualität.

Was ist Ihr Wunsch an den Staat, abgesehen vom Finanziellen?

Dass wir vom Kanton noch verstärkt anerkannt werden als Anbieter von qualitativ wirklich guten Kursen, die zugeschnitten sind auf die Bedürfnisse von älteren Menschen, auch im Sportbereich. Und der zweite Wunsch wäre, dass man vermehrt versucht, Synergien zu nutzen. Dass gewisse Angebote nicht mehr parallel angeboten werden. Müssen Drei immer wieder das Gleiche erfinden? Der Wunsch, dass man sich mehr sinnvoll ergänzt.

Wo sehen Sie Ihre Organisation in zehn Jahren?

Die gleiche Organisation, auf beiden Standbeinen verstärkt. Zum einen ist das die Sozialberatung, die noch näher zu den Menschen gekommen ist. Gerade im Kanton Basel-Stadt gibt es keine eigentliche Altersfürsorge. Die Menschen kommen zu uns und es sind immer mehr, die auf uns angewiesen sind. Diesen Auftrag, für den wir im Kanton ja auch Subventionen erhalten, könnten wir noch stärker wahrnehmen.

Das andere ist, dass wir in der sogenannten Prävention, im Sport, in der Bildung noch verstärkt Angebote entwickeln und noch gezielter Menschen ansprechen, die aktiv sind und Lust haben, etwas für sich selbst zu tun.

Man redet viel von der Vereinsamung im Alter, die noch zunehmen wird.

Diese ist eine Tatsache. Wir wollen ein gutes Angebot zur Verfügung stellen, das die Menschen nicht unbedingt weniger einsam sein lässt, aber ihnen Gelegenheit gibt, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Vor allem die Gelegenheit gibt, für sich selbst aus einem Angebot einen Gewinn zu ziehen.

Infos:

Bildung, Kultur, Sport – Beratungen und Hilfe zu Hause

Pro Senectute beider Basel erbringt viele verschiedene Dienstleistungen zur Steigerung der Lebensqualität von Menschen im Alter ab 50. Dafür werden jedes Jahr über 400 Kurse in den Bereichen Kultur, Bildung und Sport organisiert. Viele der Kurse finden im neuen Kurs- und Fitnesscenter 50+ an der Rheinfelderstr. 29 in Basel statt.

Dazu gehören Tai-Ji, Pilates, Qi-Gong, AquaFit, Rückentraining und Yoga, aber auch Sprach- und Computerkurse, Vorträge und diverse Führungen.

Darüber hinaus erbringt Pro Senectute beider Basel Beratungen, unterstützt ältere Menschen in Notlagen und bietet diverse Service-Leistungen an. Dazu gehören Haus- und Wohnungsreinigungen, Gartenarbeiten, Umzüge, ein Mahlzeitendienst und ein Shop mit einer grossen Auswahl an unterschiedlichen Hilfsmitteln.

Auskünfte zum Angebot des akzent forums sind über die Telefonnummer 061 206 44 66 erhältlich. Die Übersicht über alle Angebote und noch viel mehr finden sich im akzent magazin, der Zeitschrift von Pro Senectute beider Basel, oder auf der Website:www.bb.pro-senectute.ch