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Seniorenpolitik auf dem Prüfstand

Was wollen über 55-Jährige in Basel?

Befindet sich die Basler Seniorenpolitik auf dem richtigen Weg? Dieser Frage soll – im Auftrag des Basler Gesundheitsdepartements - anhand einer repräsentativen Umfrage bei den über 55-jährigen Kantonsbewohnerinnen und – bewohnern - erstmals nachgegangen werden. Ein Gespräch dazu mit Projektleiterin Michèle Thommen sowie der Leiterin des Statistischen Amtes, Dr. Madeleine Imhof.

Wie hoch ist gegenwärtig eigentlich der Anteil der über 55-Jährigen in Basel – und wie sieht die Tendenz aus?

Michèle Thommen/Madeleine Imhof (T/I): Derzeit gehören 32 Prozent der Altersgruppe 55 plus an. Alle Bevölkerungsszenarien weisen auf eine Zunahme dieses Segments bis im Jahre 2035 hin. Der Anteil der über 55-Jährigen bei der Schweizer Bevölkerung liegt heute bei 40 Prozent, derjenige bei der ausländischen Bevölkerung bei 16 Prozent.

55 Jahre beträgt definitionsgemäss das Mindestalter bei den Befragten. Gibt es auch ein Höchstalter?

(T/I): Nein. Das ist kein Thema. Es gibt sehr rüstige, alte Menschen. Unsere Erfahrungen zeigen immer wieder, dass die ältesten Teilnehmenden bei der allgemeinen Bevölkerungsbefragung über 90 Jahre auf dem Buckel haben.

Die Basler Regierung möchte wissen, ob sie in der Seniorenpolitik auf dem richtigen Weg ist. „Seniorenpolitik“ kann sehr vieles umfassen. Wie haben Sie die Themen gefunden?

(T/I): Wir haben die zehn Leitlinien der Seniorenpolitik studiert, die Vorgaben des Auftraggebers berücksichtigt, auf unsere kantonalen Befragungen zurückgegriffen und schliesslich noch weitere Studien zum Thema Senioren gesichtet.

Zu Beginn der Umfrage wird man unter anderem gefragt, ob und wie lange man schon in Basel wohnt, wie viele Zimmer zur Verfügung stehen, wie wichtig einem die Ausstattung der Wohnung und die Einkaufsmöglichkeiten sowie die Nähe zur Autobahn sind. Was fängt man als Statistiker mit den daraus gewonnenen Daten eigentlich an?

(T/I) : Gewisse Fragen sind für sich alleine genommen zwar nicht sehr aussagekräftig, durch das Kombinieren von verschiedenen Merkmalen kommt der Statistiker aber durchaus zu spannenden Ergebnissen und Berichten. Wenn man die gleiche Befragung dann zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt, lassen sich auch Veränderungen über die Zeit registrieren.

Planen Sie eine Wiederholung der Umfrage?

(T/I) : Die jetzige Befragung ist die erste dieser Art in Basel. Wir können uns sehr gut eine Wiederholung in etwa fünf Jahren vorstellen. Der Entscheid liegt aber in den Händen des Auftraggebers.

Ein Kapitel in der aktuellen Umfrage dreht sich um Sicherheit. Wenn jetzt – sagen wir einmal – 70 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich nachts zu Hause sicher fühlen: Ist das dann ein guter oder ein extrem schlechter Wert?

(T/I) : Die Frage nach der Sicherheit können wir mit unseren eigenen Antworten aus der allgemeinen Bevölkerungsbefragung überprüfen. Auch dort haben wir über 55-jährige Personen in der Stichprobe drin und fragen nach dem Sicherheitsempfinden. Andere Fragen wiederum können wir mit der Jugend-, der Familien- oder der Wanderungsbefragung gegenprüfen und die Ergebnisse so besser einordnen. Auch hier ist natürlich die Betrachtung über die Zeit von grosser Bedeutung. So kann auch die Wirkung von Massnahmen überprüft werden.

In Basel leben auch ältere Secondos. Werden diese Kreise auch befragt?

(T/I) : Natürlich, klar. Unsere Erfahrungen aus den anderen Befragungen zeigen, dass auch Personen mit Migrationshintergrund gerne an den Befragungen teilnehmen. Die meisten der potentiell Befragten können entweder Deutsch oder haben ein Umfeld, das ihnen helfen kann. Man darf sich auch ans Statistische Amt wenden, wir helfen gerne weiter. Bei der Familienbefragung versuchten wir, mit vororganisierten Übersetzungsdiensten den Anteil der fremdsprachigen Familien in der Stichprobe zu optimieren. Der Aufwand war ziemlich gross, der Erfolg – gemessen am Aufwand - eher bescheiden Darum sehen wir von einer solchen Lösung diesmal ab.

Wann liegen die Ergebnisse der Umfrage vor?

(T/I) : Die Ergebnisse sollten per Ende Jahr vorliegen. Allerdings hängt der Fahrplan auch mit dem Rücklauf zusammen, also letztlich mit der Teilnahmefreudigkeit der Seniorinnen und Senioren sowie der Geschwindigkeit bei der Retournierung der Bögen. Erst wenn wir ausreichend viele Bögen haben, können wir uns ans Auswerten machen.

Ab wann kann von einer repräsentativen Studie gesprochen werden?

(T/I) : Wir brauchen einen Rücklauf von mindestens 1000 Fragebögen, noch besser wären 1500. Dann liessen sich auch Auswertungen nach kleineren räumlichen Einheiten wie Wohnvierteln machen. Angeschrieben werden in einer ersten Phase 5000 Personen, nach dem Zufallsprinzip aus der Einwohnerdatenbank. Wenn die Seniorinnen und Senioren übermässig „auskunftsfaul“ sein sollten, wovon wir allerdings nicht ausgehen, müssten wir unter Umständen eine zweite Runde lancieren. Dann liesse sich der Zeitplan (Ablauffrist ist der 7. Oktober 2011) nicht mehr einhalten.

Geben Sie anhand der ermittelten Resultate eigentlich Empfehlungen ab, was die Politik im einen oder anderen Fall tun könnte oder sollte?

(T/I) Nein. Als Statistisches Amt sind wir eine neutrale Stelle. Wir werten die Daten aus und beschreiben, was sie aussagen. Unsere Aufgabe ist die methodisch korrekte Konzeption, das Planen und Durchführen der Befragung, die saubere Dateneingabe und eine quasi „wertneutrale“ Auswertung. Welche Schlüsse man aus den Ergebnissen zieht oder ableiten kann, obliegt den zuständigen Fachstellen und Departementen.