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Conti zur Basler Alterspolitik

Alterspolitik spielt in der Schweiz eine zunehmend wichtige Rolle: Dieses Fazit lässt sich aus der a.o. Delegiertenversammlung des Schweizerischen Seniorenrates (SSR) im Basler Rathaus ziehen. Regierungsrat Carlo Conti (im Bild zusammen mit Markus Benz, Präsident der Basler Seniorenkonferenz) war für das Grusswort besorgt. Der Gesundheitsminister nimmt im Interview zu diversen Fragen Stellung.

Mit dem Beginn der Muba 2011 wurde in Basel eine neue Senioren-Homepage aufgeschaltet, nämlich diese hier. Gefällt Sie Ihnen? Und was versprechen/erhoffen Sie sich von dieser Homepage?

Wichtig ist, dass sie den Seniorinnen und Senioren gefällt. Die Lebenszeit nach dem beruflichen Ruhestand wird immer länger. Diese Zeit muss ausgefüllt werden, entweder individuell oder gemeinsam mit dem Gemeinwesen. Potentiale müssen genutzt und soziale Vereinsamung verhindert werden. Hier hilft die Nutzung neuer Technologien, seien es ipad, iphone, Internet, Facebook oder eben unsere neue Homepage. Deshalb will ich auch für all diese Kommunikationsmittel seniorengerechte Ausbildungs- und Fortbildungsangebote schaffen.

Auch im Kanton Basel-Stadt wird die Zahl an älteren Menschen in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Herausforderungen für die Politik in Basel?

Viele Seniorinnen und Senioren gestalten ihr Leben nach dem beruflichen Ruhestand individuell. Andere wollen ihre Erfahrung und ihr Wissen mit dem Gemeinwesen austauschen. Wieder andere sehen sich plötzlich mit sozialer Vereinsamung konfrontiert. Um auf den richtigen Ebenen politisch aktiv zu werden, will ich die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung im Jahre 2011 in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Amt Basel-Stadt systematisch und repräsentativ erheben. Um anschliessend bedarfsgerecht und zielorientiert die richtigen Herausforderungen anzupacken.

Zur Gesundheit: Welche staatlichen Aktivitäten stehen im Vordergrund, um die Kantonsbewohnerinnen und Kantonsbewohner möglichst lange gesund zu halten?

Viele Aktivitäten rund um die Gesundheitsförderung und Prävention sprechen alle an. Massnahmen für gesunde Ernährung, viel Bewegung und Erhalt der psychischen Gesundheit gelten für jeden von uns. Seniorenspezifisch soll das erfolgreiche Projekt Café Bâlance ausgebaut und, wenn immer möglich, auf den Kanton Basel-Landschaft ausgeweitet werden. Im Rahmen der Umgestaltung des St. Johann-Parks werden Outdoor-Fitnessgeräte für Seniorinnen und Senioren als Prototypen fix installiert. Haben diese Erfolg, soll eine Ausweitung auf weitere Parks erfolgen. Und das mentale Training als Thema MUBA 2011 soll mit Folgemassnahmen weiter gefördert werden.

Vor ein paar Tagen war in der baz ein Artikel über die Thematik ältere „Migranten/Pflegeheime“ zu lesen. Wird es in zehn oder zwanzig Jahren in Basel rein muslimische Pflegeheime geben, in denen den speziellen Lebensgewohnheiten Rechnung getragen werden kann? Oder halten Sie eine derartige Form einer Ghettoisierung für wenig sinnvoll und würden eine gute Durchmischung bevorzugen?

Was Seniorinnen und Senioren betrifft, werden wir die Bedürfnisse dieser Bevölkerungsschichten noch dieses Jahr in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Amt Basel-Stadt systematisch und repräsentativ erheben. Gleichzeitig planen wir in Zusammenarbeit mit dem Präsidialdepartement und den Migranten-Organisationen Plattformen und Massnahmen, die die älter werdenden Migrantinnen und Migranten über die vielfältigen Angebote und Tätigkeitsfelder im Seniorenbereich informieren. Die Thematik „Migrantinnen und Migranten in Pflegeheimen“ ist Aufgabe der Abteilung Langzeitpflege im Bereich Gesundheitsversorgung des Gesundheitsdepartements.

Zu den Zielen der Basler Seniorenpolitik zählen unter anderem „senioren-freundliche Gaststätten“. Was soll man darunter konkret verstehen, und welcher Grundgedanke steckt dahinter?

Seniorinnen und Senioren verfügen oft über freie Zeit. Diese in Restaurants zu verbringen, um mit anderen Seniorinnen und Senioren in Kontakt zu treten, könnte für beide Seiten interessant sein. Ich denke an spezielle Angebote der Gaststätten vom 4-Uhr-Tee bis hin zu seniorengerechtem Essen, beispielsweise halbe Portionen, aber auch an hindernisfreie Zugänge. Gerade in den Quartieren könnten hier neue Begegnungsorte entstehen und diese würden dann zertifziert und auf unserer Homepage vorgestellt. Dasselbe gilt auch für seniorenfreundliche Geschäfte und andere öffentlich zugängliche Orte in der Stadt.

Moderne Technologien spielen eine immer grössere Rolle, auch für Seniorinnen und Senioren. Sehen Sie hier auch ein Tätigkeitsfeld für die Politik?

Zur Nutzung neuer Technologien und Kommunikationsmittel wie ipad, iphone, Internet, e-banking und Facebook sollen seniorengerechte Ausbildungs- und Fortbil-dungsangebote geschaffen werden. Dies aus zwei Gründen: Neue Technologien können, richtig genutzt, helfen, soziale Vereinsamung zu verhindern. Zusätzlich können sie auch dazu beitragen, den Kontakt zwischen Jung und Alt auf eine neue Basis zu stellen. Ich denke da insbesondere an Facebook und seine vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten.

Ältere Menschen leisten überdurchschnittlich viel Freiwilligenarbeit, sei es im eigenen Familienkreis, aber oft auch für die breite Öffentlichkeit. Was gedenkt der Staat zu tun, damit diese Arbeit entsprechend gewürdigt wird?

Eine Arbeitsgruppe Freiwilligenarbeit erarbeitet aktuell Antworten auf die Frage „Was ist für Seniorinnen und Senioren eine adäquate Anerkennung für geleistete Freiwilli-genarbeit?“ Manchmal reicht übrigens bereits ein von Herzen kommendes Dankeschön.

Ältere Menschen dürften tendenziell eher Opfer von Gewalttaten werden. Sehen Sie auch hier eine Aufgabe für die Politik?

Im Sicherheitsbereich wird zur Prävention in enger Zusammenarbeit mit dem Justiz- und Sicherheitsdepartement sowie mit Banken laufend auf aktuelle Gefährdungen hingewiesen. Stichworte wie Enkeltricks, Kaffeefahrten oder sicherer Umgang mit Bargeldbezügen seien hier erwähnt. Über die neue Homepage will ich gerade in diesem Bereich noch mehr aufzeigen, wie mit solchen Gefahren präventiv umgegangen werden kann. Sei es durch klare Darstellung der Gefahren und entsprechender Vermeidungsstrategien, sei es durch in Zusammenarbeit mit Banken durchgeführte e-banking-Kurse.

Letzte Frage: Herr Regierungsrat Conti; wo möchten Sie eigentlich einmal Ihren Lebensabend verbringen?

Wo auch immer. Gesund, und sicher nicht als Regierungsrat.