phone-xs phone-sm tablet-md laptop-lg desktop-xl

Wanderwege beider Basel 75 Jahre

1'200 Kilometer Wanderwege, 1'200 Wegweiser-Standorte, Jahr für Jahr über 80 geführte Wanderungen, 2300 Mitglieder - ohne ohne ihn Werner Madörin wäre «Wanderwege beider Basel» nicht so gut aufgestellt. 2003 hat er den Verein in desolatem Zustand übernommen und ihn in den zwölf Jahren als Präsident wieder auf die Beine gestellt: Werner Madörin, Ehrenpräsident des Vereins Wanderwege beider Basel. Wir wollten mit ihm den Reiz des Wanderns ergründen.

Der Reiz? Entschleunigung und der Langsamkeit!

Herr Madörin, wie sind Sie aufs Wandern gekommen?

Ich bin schon in jungen Jahren mit meinen Eltern gewandert und fand das immer toll. Irgendwie bin ich nie in dieses Alter gekommen, auch als Jugendlicher nicht, in dem man Wandern blöd findet. Später wanderte ich im Freundeskreis, dann mit der eigenen Familie, und auch beruflich habe ich mich jahrzehntelang mit Landschaftsplanung befasst - ich bin dem Thema immer ganz nah gewesen.

Täusche ich mich, oder hat sich in dieser langen Zeit das Image des Wanderns verändert, ist Wandern heute gar im Trend?

Wandern, meine ich, ist heute breiter gefragt als noch vor zehn, fünfzehn Jahren. Wandern ist „in“, die ganze Bekleidungsindustrie hat da sicher mitgeholfen.

Also keine roten Socken und Knickebockers mehr?

Ja, das etwas Verstaubte ist weg, heute gibt es Outdoor-Ausrüstungen, Kleidung mit Windstoppereffekt, regendicht, nachtsicher, Kleidung in allen Farben und Hightech-Materialien, das ist zwar alles fürs Wandern nicht unbedingt notwendig, aber es hat dazu geführt, dass Wandern „trendy“ ist. Das andere ist, dass von den Tourismusorganisationen in den letzten Jahren enorm viel fürs Wandern unternommen wurde. Das Angebot in der Schweiz, mit 60'000 Kilometern Wanderwegen, das ist auf der ganzen Welt einmalig, in dieser Dichte, Gepflegtheit, in diesem Komfort.

In der Schweiz, heisst es, könne man praktisch ohne Landkarte wandern gehen.

Das ist so, aber natürlich sollte man immer eine Karte dabei haben, aber tatsächlich ist die Signalisation so ausgelegt, dass man fast keine Landkarte mehr braucht. Auch das ÖV-Netz in der Schweiz, das merken Sie, sobald Sie die Landesgrenze überschreiten, ist hierzulande äusserst komfortabel. Sie können problemlos eine Wanderung unternehmen und kommen garantiert wieder an eine ÖV-Station. Wenn wir beispielsweise eine Elsass-Wanderung anbieten, so führt uns ein von uns organisierter Bus an den Ausgangsort und holt uns am Ziel wieder ab.

Wenn Sie eine Wanderung, eine Route zusammenstellen, was sind die Kriterien, mal abgesehen vom landschaftlichen Reiz? Dass eine Beiz am Wegrand liegt?

Das ist nicht unbedingt nötig, unserer Leute picknicken gern. Nach Möglichkeit bieten wir beides an, einkehren oder picknicken, je nach Lust.

Sie sagen „unsere Leute“ – sind das alles Vereinsmitglieder oder kommen auch neue dazu, mit anderen Worten: muss man bei Ihnen Mitglied sein, um auf eine Wanderung mit zu kommen?

Im Prinzip schon. Wir haben 2300 Mitglieder, davon sind rund ein Viertel Aktivmitglieder, die anderen sind bei uns dabei, weil sie unsere Arbeit unterstützen wollen und damit sie regelmässig die Wanderbüchlein zugestellt bekommen, welche ihnen Ideen für nächste Wanderziele liefern. In der Regel haben wir bei einer Wanderung 20-40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, je nach dem, wie anspruchsvoll die Wanderung ist. 21 Wanderleiterinnen und Wanderleiter begleiten diese Touren, sie sind dafür geschult, ausgebildet auch in erster Hilfe. Diese Wanderleiter bringen jährlich im Sommer ihre Routen-Vorschläge fürs nächste Jahr, diese werden dann ausgewählt, je nach Anforderungen von leicht bis anspruchsvoll, verteilt über die ganze Schweiz oder die Region auch mit Elsass und Schwarzwald, angeboten.

Ist es der Reiz, in der Gruppe zu wandern oder geht es um das Fachwissen, um die Route?

Die meisten von uns wandern nach unseren Vorschlägen, aber in der eigenen Familie oder im Freundeskreis. Der kleinste Teil unserer Aktivmitglieder wandert in der Gruppe mit. Das sind oft Alleinstehende oder Personen, wo der Partner, die Partnerin nicht mehr so zwäg ist, nicht mehr mitkommen mag. Das Alter in den Gruppen ist meiner Erfahrung nach so ab fünfzig aufwärts, weil man in jüngeren Jahren eher in der eigenen Familie wandert, im eigenen Freundeskreis.

Und wenn man neu in die Gruppe stösst: wie wird man aufgenommen? Mit offenen Armen oder eher so, dass man das Gefühl hat, einen Insiderkreis aufbrechen zu müssen?

Das ist wie überall: das hängt von einem selbst ab, wie man aufgenommen wird, wie aufgeschlossen man ist. Aber es herrscht sicher grundsätzlich eine Offenheit, eine Sympathie. Zudem ist die Zusammensetzung dieser Gruppen so vielfältig, dass jeder einen Ansprechpartner oder –partnerin finden kann. Der grosse Vorteil der Gruppe ist natürlich, dass man mit dem Wanderleiter, der Wanderleiterin, die vorgeschrieben übrigens von einem Assistenten oder Assistentin begleitet wird, immer jemand da ist, der Bescheid weiss. Man ist nie allein, welche Situation auch auftaucht.

Zum Beispiel ein agressiver Hund, oder eine in ihrer Ruhe gestörte Mutterkuh?

Ich muss sagen, dass ich auf dem Jakobsweg quer durch die Schweiz zwölf Tage lang unterwegs war und gerade ein einziges Mal eine wirklich unangenehme Begegnung mit einem Hund hatte. Es hängt viel von einem selber ab. Wenn man Ruhe bewahrt, sicher bleibt, keine Angst hat, den Mut hat, ruhig weiterzugehen, passiert in aller Regel nichts. Ich habe bei uns im Verein noch nie gehört, dass jemand von einem Hund angegriffen wurde, angebellt schon, aber nicht angegriffen. Die Muttertierhaltung in der Herde ist in jüngerer Zeit eher zu einem Problem geworden. Früher blieben die Mutterkühe im Stall, jetzt sind sie auf der Weide. Da muss man schon vorsichtig sein, und halt vielleicht mal einen Umweg um die Weide machen. Auch bei einem Herdenhund, der seine Schafherde bewacht, man muss ihm Zeit lassen, dass er Vertrauen fassen kann, warten, und auch da, langsam, ganz ruhig bleiben. Wobei, an sich ist ja vorgeschrieben, dass die Wanderwege so abgezäunt sein müssen, dass sie gefahrlos begangen werden können.

Wandern - was macht die Attraktivität aus, womit würden Sie jemanden, der damit nie viel anfangen konnte, locken?

Für mich gibt es dafür zwei Stichworte: Langsamkeit und Entschleunigung. Die Entschleunigung als das Gegenteil von Alltagshektik; beim Wandern wird man gezwungen, runterzufahren, zur Ruhe zu kommen. Und die Langsamkeit: Sie bekommen nie so viel von ihrer Umgebung mit, von der Landschaft, von jedem einzelnen Stein, jeder Blume, wie beim wandern. Die Vielfalt der Ausblicke, in die Nähe wie in die Weite, das macht für mich den grossen Reiz des Wanderns aus. Bei jedem Wegstück erlebe ich eine andere Kultur, eine andere Sprache, Dialekt, Baustile, jede Veränderung erfahre ich hautnah. Wandern ist die einzige Bewegungsform, die quasi gottgegeben ist, da braucht es keine Hilfsmittel, kaum Geld, nichts. Nicht mal die an sich sinnvollen Wanderstöcke. Nur die gesunden Beine.

Infos rund ums Jubiläum

2013, aus Anlass des 75-Jahr-Jubiläums, wurden zwölf attraktive Wandervorschläge ausgearbeitet, welche in einer handlichen Wanderbroschüre zusammengefasst sind: