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Zufriedene Generation 55 plus

Die Resultate der Umfrage 55plus spornen an

Der allergrösste Teil (96 Prozent) der älteren Basler Bevölkerung (ab 55 Jahren) lebt gemäss einer neuen Studie „sehr gern“ oder „eher gern“ im Kanton. Gute Noten verteilte eine deutliche Mehrheit der Antwortgebenden auch der Basler Seniorenpolitik, und zwar sowohl bezüglich der Angebote als auch der Infrastruktur. Im Auftrag der Gesundheitsdienste Basel-Stadt wurden 5000 Personen angeschrieben und um ihre Meinung gebeten. Die Rücklaufquote betrug 34 Prozent.

Die erste flächendeckende Seniorenbefragung im Kanton Basel-Stadt bei der Generation 55plus lässt auf eine insgesamt zufriedene bis sehr zufriedene Bevölkerung schliessen. Das Gros der 1689 Antwortgebenden im Alter von 55 bis 109 Jahre fühlt sich wohl am Rheinknie. Sogar mit der Sicherheit – ein ewig umstrittenes Thema in den Medien – sind 82,9 Prozent „sehr“ oder „eher“ zufrieden. Angebote und Infrastruktur (z. B. Spitex, Pro Senectute) für Senioren stossen ebenfalls auf eine gute Resonanz. Konkrete Projekte, Organisationen sowie Institutionen der Seniorenpolitik sind allerdings bei vielen der Befragten noch eine black box.

Die meisten Unzufriedenen mit 21,8 Prozent finden sich beim Aspekt „altersgerechte Ausgestaltung des Wohngebäudes“. Im Wohnbereich wird denn auch einiger Handlungsbedarf für die Seniorenpolitik gesehen: Die Stichworte dazu lauten günstiger Wohnraum sowie alternative Wohnformen wie Generationenhäuser oder Seniorenwohngemeinschaften.

Senior ist nicht gleich Senior. Die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten älterer Menschen sind völlig unterschiedlich, wie Philipp Waibel an einer Medienkonferenz aufzeigte. Der Leiter des Bereichs Gesundheitsdienste stellte vier „neue Altersphasen“ vor: Die jüngste Gruppe der 50 bis 65-Jährigen figuriert unter dem Begriff „höheres Erwachsenenalter“. Darunter hat es viele Privilegierte. Sie verfügen über ein relativ hohes Einkommen, ein ansehnliches Vermögen und wohnen komfortabel. Zum „gesunden Rentenalter“ zählen Menschen im Alter von 65 bis 85 Jahren. Sie sind selbstständig und in verschiedenster Weise noch aktiv, zum Beispiel in der Enkelkinderbetreuung oder der Freiwilligenarbeit.

Eine dritte Kategorie heisst „eingeschränktes Rentenalter“. Das sind Personen ab 80 Jahren, die unter chronischen Krankheiten leiden. Auch das Hören, Sehen und Gehen bereitet ihnen Mühe. Sie können ihre Selbstständigkeit aber dank kontinuierlicher ambulanter Unterstützung sowie behindertengerechtem Wohnen behalten. Und schliesslich gibt es noch die älteren Pflegebedürftigen ab 75 Jahren mit ausgeprägten körperlichen Einschränkungen. Sie verbringen ihr Leben bis zum Tod in einem Pflegeheim.

Dieses differenzierte Bild über ältere Menschen soll in neue Leitlinien in der Alterspolitik einfliessen. Bei aller Differenziertheit ist aber eines klar: Im Durchschnitt werden die Menschen immer älter, wodurch sich Umfang und Bedarf an finanzieller Absicherung erhöhen werden. Immer weniger Junge müssen für immer mehr Ältere aufkommen. „Der sogenannte Generationenvertrag muss hinterfragt werden“, forderte deshalb der Basler Regierungsrat Dr. Carlo Conti. Die demographische Entwicklung bedinge auch immer mehr Gesundheitspersonal, denn mit zunehmendem Alter erhöhe sich der Bedarf für die spezialisierte Versorgung für Chronischkranke, in der Geriatrie und für Palliativ-Medizin. Eine „Patentlösung“ habe er nicht. Aber die ganze Gesellschaft müsse sich dieser grossen Herausforderungen bewusst sein. Detailliert abklären möchte das Gesundheitsdepartement die Förderung des Wiedereinstiges in Pflegeberufe. Den Migranten müsse ferner das hiesige Gesundheitssystem besser erklärt werden.

Bei der Beantwortung Umfrage 55 plus bestand für die Seniorinnen und Senioren übrigens auch noch die Möglichkeit, eigene Projektideen vorzubringen. Davon wurde immerhin 62mal Gebrauch gemacht. Jemand schlug vor, pro Quartier einen Seniorensprecher zu etablieren. Ein Bedürfnis scheint auch eine Bocciabahn zu sein. Im Weiteren wurde der Wunsch laut, in Tram und Bus extra Plätze für Senioren auszuweisen.

Auftraggeber der Studie waren die Gesundheitsdienste Basel-Stadt. Die Bearbeitung lag in den Händen des Statistischen Amtes des Kantons (Verantwortlich: Dr. Madeleine Imhof. Projektleitung: Michèle Thommen).