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Reihe Basler Köpfe

IV Helen Liebendörfer, Schriftstellerin

Die Liebe zu historischen Figuren

Helen Liebendörfer ist Schriftstellerin, Stadtführerin, Stadt-Entdeckerin, Aufspürerin, Dozentin, Forscherin – oder wie Buchhändler Jens Stocker kürzlich erklärte: «schlicht ein Synonym für Basel.»

Die Buchhandlung Bider&Tanner war bei Präsentation ihres neuen historischen Romans «Thomilin und sein Weib – Thomas Platter und seine Frau Anna» bis auf den letzten Stuhl besetzt. Trauben von Menschen hatten sich bereits vor der Türöffnung auf dem Trottoir gebildet. Die Menschen lieben sie, «ihre» Autorin, ihre Stadtführerin und lachen bei der Laudatio durch den Buchhändler erfreut auf, ziehen bei der anschliessenden Lesung begeistert mit. Ob Wibrandis Rosenblatt, die Ehefrau von drei der bekanntesten Reformatoren, oder Angela, «Carissima mia», die Frau Arnold Böcklins oder der legendäre «General» August Johann Sutter» – allen ihren historischen Figuren haucht Liebendörfer mit ihren Romanen Leben ein, in einer einfachen, klaren Sprache. Bringt Details zum Leuchten, lässt ihre Leserinnen - und erstaunlich viele Leser - eintauchen in die Welt vergangener Jahrhunderte. Neben ihren bislang fünf historischen Romanen hat sie in zahllosen weiteren Büchern über Basel, in Stadtführern und literarischen Spaziergängen, Vergessenes oder Verborgenes zum Vorschein gebracht, hat bedeutende und prägende Persönlichkeiten durch die Stadt Basel begleitet. Hermann Hesse, Johann Peter Hebel, Lisa Wenger, « Spaziergänge zu Frauen und Kindern», oder zu «berühmten Gästen», zu Malern, Dichtern und Musikern und eigens für Kinder hat sie die spielerischen «Kinder-Stadtrundgänge» und besonderen Stadtführer geschaffen. Literarisch und ganz real geht’s da durchs Münster oder durch das Klingentalmuseum, sie steigt mit ihren Lesern in Keller und Dachböden, weist auf Interessantes hier und Wundersames dort, kurz, sie öffnet kenntnisreich und voller Begeisterung die Augen für die vielen Facetten einer reichen Stadt. Dafür ist sie schon früh geehrt worden mit dem Ehrendoktor der Universität Basel für die «Vermittlung der soziokulturellen Besonderheiten Basels», 2018 erhielt sie, als eine der wenigen Frauen, den «Ehrenspalebärglemer.» Und an ihrer Leidenschaft daran arbeitet sie noch heute, stetig, täglich.

"Ich spüre das Interesse und die Sympathie der Menschen"

«Das ist natürlich schön», sagt Helen Liebendörfer, ein paar Tage später im Café des Literaturhauses, «wenn ich spüre, dass die Menschen mir ihr Interesse und ihre Sympathie entgegenbringen.» Wenn Sie ihre Liebe zu Basel und notabene zum südbadischen Raum und Muttenz, ihrem Heimatort, vermitteln kann. Echo beflügelt.

Aufgewachsen ist die heute 76-Jährige in Riehen, verheiratet mit dem Musiker und Dirigenten Frieder Liebendörfer, sie hat drei Kindern und sechs Enkelkinder und steckt voller Ideen für das nächste Projekt. Zum Beispiel die Ausstellung über Gertrud Lendorff, die mit ihrer Hörspielfolge «Vor hundert Jahren» berühmt wurde und die im Frühling im Lyceumclub am Münsterplatz gezeigt wird. Anschliessend wird sie sich – vermutlich - wieder eine historische Figur vornehmen, vermutlich wieder eine aus dem 16. Jahrhundert. Aber frau will nicht vorgreifen. Was sicher ist, ihre Schaffenskraft ist noch weit davon entfernt, zu erlahmen.

Jetzt also das jüngste Werk, das Weib des Thomas Platter, der historische Roman über die einstige Magd Anna, während 43 Jahren treue Ehefrau. Wie immer hat Helen Liebendörfer akribisch alles historische Material gesichtet, etwa die Autobiografie Platters, der Rest ist Kombinationsgabe und Phantasie. Ein Roman eben. Der berichtet von einer Frau, die zur Unterstützung des Ehemannes und der eigenen Familie jahrelang so nebenbei noch 20 Kostgänger im Haus versorgte, verköstigte, zu Zeiten als das Wasser noch im Brunnen im Hof geschöpft werden musste…

Sämtliche Bücher von Helen Liebendörfer sind erschienen im Basler Reinhardt Verlag
Thomilin und sein Weib – Thomas Platter und seine Frau Anna CHF 24.80. ---