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Was tun in der Corona-Isolation

Von Facebook, WhatsApp und Nachbarschaftshilfe

Konkrete und virtuelle Möglichkeiten in Zeiten der Isolation

Unsere Expertin für das Interview, die ehemalige Grossrätin Gabi Mächler, befasst sich aus verschiedenen Warten mit der Lebenssituation von älteren Menschen – als ehemalige Präsidentin von Curaviva Basel-Stadt, als Präsidentin des GGG Wegweiser und als GGG Digi Coach. Als solche erläuterte sie vor der Krise in den Bibliotheken Funktionsweise und Tricks von Smartphone, Labtop, von Facebook und Co. Heute sind die Bibliotheken geschlossen und die Menschen bleiben zuhause. Ein Gespräch über die konkreten und virtuellen Möglichkeiten in Zeiten verordneter Isolation.

Gabi Mächler

Gemäss den Anweisungen des Bundesrats müssen insbesondere Menschen ü65 wegen des Coronavirus zu Hause bleiben. Isolation hat für alle negative Aspekte, bringen Langeweile, Stress, Nervosität. Ist es für ältere Menschen noch härter, weil sie oft allein leben oder sind sie gewohnt, weniger «action» um sich zu haben und tun sich mit dem Alleinsein leichter?

Gabi Mächler: Ich denke, das kann man nicht so allgemein sagen, genauso wenig, wie es einfach den älteren Menschen gibt. Das ist höchst individuell. Ich nehme jetzt als Beispiel meinen eigenen Vater: Er hat wenig soziale Kontakte, aber er pflegt seine Wochenpläne: er geht dreimal pro Woche einkaufen, besucht den Stammtisch, das alles fällt jetzt natürlich weg. Er hat keinen Computer, kein Smartphone mit WhatsApp, er sitzt also jetzt zuhause und hat seinen Fernseher. Und sein Festnetztelefon natürlich. Andere gibt es, die sind digital sehr gut unterwegs, sind zum Beispiel mit ihrer Familie in einer WhatsApp-Gruppe verbunden, mailen, surfen. Aber generell gilt, wer gewohnt ist, seine sozialen Kontakte eins zu eins zu pflegen, im direkten persönlichen Kontakt, für den es sicher schwieriger.

Was kann man also raten?

Ich würde raten, und zwar in jedem Fall, seine persönlichen Kontakte telefonisch zu pflegen. Und auch zu signalisieren, dass man Kontakt wünscht. Sich mit der Nachbarin von Balkon zu Balkon austauschen. Man sollte einfach sagen: ich möchte Kontakt. Man muss die Menschen ja nicht in die Wohnung lassen.

Fühlen sich ältere Menschen durch diese heutigen Vorsichtsmassnahmen, die vor allem heissen, bleibt zuhause, zusätzlich ausgegrenzt oder vielmehr eher beschützt?

Dank der vielen Initiativen, die es heute gibt, wie «gärn gschee- Basel hilft» spürt man heute, und zwar mehr als vor der Krise, dass man Teil einer sozialen Gemeinschaft ist. Da gehört auch die Nachbarschaftshilfe dazu, die zur Zeit richtigen Auftrieb hat. Ich habe den Eindruck, dass die Leute es ernst nehmen, dass sie drinnen bleiben müssen und sich eher beschützt fühlen als ausgeschlossen.

Solche Initiativen wie «gärn gschee», aber auch andere virtuelle Hilfsangebote bedingen, dass man zuhause einen Computer hat oder sich mit seinem Smartphone auf Facebook einloggen kann?

Das ist von Vorteil, stimmt. Aber es werden auch Flyer verteilt. Es gibt auch Offlinemöglichkeiten.

Wie erlebten Sie es als Digi Coach: wo haben Senioren Nachholbedarf und wie kann man jetzt zuhause fehlendes Wissen nachholen?

Was uns allen aufgefallen ist, wie viele ängstlich sind mit ihrem Handy. Angst haben, etwas falsch zu machen, etwas kaputt zu machen. Wir haben deshalb vor allem versucht, die Leute zu ermutigen, einfach mal etwas auszuprobieren. Man kann das Handy nicht so schnell kaputt machen und meistens kann man auch alles wieder rückgängig machen. Vieles ist ja auf dem Smartphone selbsterklärend. So wird man vor dem Löschen von Daten oder Funktionen immer gefragt: «wollen sie das wirklich löschen?» Manchmal sogar mehrmals. Deshalb mein Rat: lieber einmal zu viel drücken, als einmal zu wenig. Und sich nicht stressen lassen.

Für ein Video-Telefongespräch gibt es ja mehrere Möglichkeiten, es gibt Skype oder Facetime auf dem iphone, respektive Google Hangouts auf Android. Ist das für Anfänger schwierig, kann man hier Tipps geben?

Facetime oder Hangouts ist etwas einfacher, weil diese auf die Kontakte zurückgreifen, die man in seinem Telefon gespeichert hat. Bei Skype muss man den gewünschten Kontakt zuerst eingeben und suchen. Das geht auch, aber ist vielleicht etwas anspruchsvoller. Was bei älteren Menschen ja auch oft das Problem ist, dass sie Uraltgeräte zuhause haben mit Windows von 2007. Die Jungen passen ihre Geräte eher der laufenden Entwicklung an. Diese alten Geräte haben dann weniger Kapazitäten, wenn man ein neues Programm herunterladen will.

Jetzt sind die Läden zu, wie weiter, wenn man digitale Hilfe braucht?

Wir bieten über GGG Digi Coach einen Service «on call» an (siehe Infokasten) man kann anrufen oder ein Mail schreiben und dann organisieren wir einen Rückruf. Wir versuchen dann, übers Telefon zu helfen. Wenn jemand konkret eine Frage hat, zum Beispiel nicht weiss, wie er ein Buch auf sein Tablet oder Ebook-Reader laden kann, kann man das Schritt für Schritt erklären.

Man sollte also die digitalen Möglichkeiten so weit als möglich nutzen?

Den grössten Nutzen sehe ich insbesondere im Telefonieren mit Videobild. Das ist ein entscheidender Vorteil wenn man sich beim telefonieren sieht, seine Familie, die Kinder, Enkel, gute Freundinnen, das ist ein grosser Mehrwert. Man kann aber auch Netzwerke entdecken wie «gärn gschee» oder «bajour.ch», die viel Nachbarschaftshilfe anbieten. Man kann dank Youtube-Videos Jogaübungen machen oder über «jassen.ch» Jass-Gruppen finden. Die digitale Welt ermöglicht einem sehr viel, es ist bereichernd, wenn man sich dort informieren und vernetzen kann. Es gibt ganz viele Menschen die heute über diese Netzwerke ihre Hilfe anbieten. Ich kann nur sagen: nehmt diese Hilfe an! Verkriecht euch nicht, meldet euch!

Trotzdem noch ein Wort zu den nichtvirtuellen Möglichkeiten – welche Tipps geben Sie, womit kann man seine Zeit füllen?

Generell raten auch Fachleute dazu, sich eine geregelte Tagesstruktur zu geben. Also regelmässige Mahlzeiten einhalten, duschen, sich richtig anziehen, nicht einfach schlittern lassen und während Stunden im Pyjama bleiben. Seinen Tag zu strukturieren, sich selber Aufgaben zu geben. Beispielsweise, diese Woche mache ich den Frühjahrsputz. Und wenn ich damit durch bin, ordne ich Fotos ein, was ich schon länger machen wollte. Oder jemand beginnt, Tagebuch zu schreiben – eigentlich gibt es sehr viel, was man machen kann, auch wenn man auf sich selbst gestellt ist. Und vielleicht ist es auch der Zeitpunkt, etwas Neues zu lernen. Skype zum Beispiel.

Links zu den im Interview erwähnten Plattformen und Dienstleistungen

GGG Wegweiser, Infothek

GGG Digi Coach

gärn gschee - Basel hilft

bajour.ch