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CMS:Wohnen und Lebensgestaltung

Die Christoph Merian Stiftung (CMS) ist mit ihren 280 Wohnungen für Seniorinnen und Senioren die grösste Anbieterin von Alterswohnungen in der Stadt Basel. In diesen Wohnungen soll nicht nur gewohnt, sondern auch Gemeinschaft und aktive Nachbarschafshilfe erlebt werden. Ein Gespräch mit Walter Brack, dem damaligen Leiter der Abteilung Soziales & Stadtentwicklung über das Betriebskonzept „Avantage“

„Das Ziel: eine sinnvolle Lebensgestaltung im Alter“

Walter Brack

Die CMS bietet, beispielsweise im neuen Wettsteinpark, Wohnungen an für Senioren und Senioren. Was macht diese besonders?

Unser Ziel ist es, mit dem Wohnen auch eine sinnvolle Lebensgestaltung im Alter anzubieten. Was und wieviel davon genutzt wird, hängt von den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der BewohnerInnenn ab. Neu ist ein Projekt „Avantage“, das vermehrt die Ressourcen der Bewohnerinnen und Bewohner nutzen will. Also nicht nur wohnen und auf das nächste Mittagessen warten, sondern die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, die eigenen Ressourcen, werden nachgefragt und dadurch aktiviert. Das ist wichtig, denn die älteren Menschen sind heute sehr viel länger rüstig und aktiv.

Ein Beispiel für diese Ressourcennutzung?

Ein pensionierter Französischlehrer, der in der Siedlung wohnt, gibt, auf Benevol-Basis, im Quartier Nachhilfestunden in Französisch. Wir wollen weg von diesem ganzen Versorgungsgedanken, wollen die Bewohnerinnen und Bewohner einbinden, in die Aktivitäten in der Siedlung, im Quartier.

Wie sieht das konkret aus?

Wir haben ein Pilotprojekt im neuen Wettsteinpark, das ganz besonders die Vernetzung mit dem Quartier fördert. Die Siedlungsleiterinnen sind besonders darin geschult, die Ressourcen der Bewohnerinnen und Bewohner abzuholen, das kann auch in kleinen Bereichen sein. Ein Siedlungsrat, wo die BewohnerInnen in den Siedlungen mitbestimmen dürfen, Aktivitätsgruppen, die sich selber organisieren für Filmabende oder Abende, bei denen in der Gruppe ein fremdsprachiger Text gelesen und besprochen wird, oder es werden die Mittagstische organisiert, Kaffeerunden…

Stösst man bei diesen Projekten auf offene Ohren oder gibt es auch Abwehr, Blockaden?

Die Bereitschaft ist spürbar da, es braucht halt, wie überall, die zwei drei Zugpferde, die mitmachen, aber da haben wir eigentlich keine Probleme. Aber wie gesagt, die Bereitschaft ist da. Das Vorhaben, das Ziel wird geschätzt und meist entwickelt sich, wenn einmal ein Anfang gemacht ist, eine Eigendynamik.

Ist die CMS Pionierin auf diesem Gebiet?

Wir waren vor 50 Jahren führend im Bereich Alterswohnungen und heute wollen wir auch wieder inhaltlich neue Akzente und Werte setzen, nicht bloss betreutes Wohnen sondern betreutes, aktives Wohnen. Wir arbeiten stark mit der Age-Stiftung zusammen, mit dem ETH-Wohnforum. Solche Modelle existieren vor allem in Deutschland, da haben wir bewusst abgekupfert. Wir haben Mustersiedlungen besucht, an Schulungen teilgenommen, Deutschland ist mit dieser Art Einbezug der BewohnerInnnen in einer Gemeinschaft führend. Gerade etwa die Idee mit den Französischstunden haben wir von dort, solches ist in Deutschland gang und gäbe. Die Idee, dass man sich in den Siedlungen gegenseitig hilft, Ressourcen nutzt. Eine andere Idee ist zum Beispiel das Bewirtschaften eines Gemeinschaftsgartens, für den alle, je nach den individuellen Möglichkeiten, verantwortlich sind.

Und das funktioniert?

Wir hoffen es, wir stehen da ja erst am Anfang. Im neu gebauten Wettsteinpark, bei dem übrigens alle Wohnungen bereits vermietet sind, wollen wir, auch mithilfe von Ressourcen im Quartier, einen Geminschaftsgarten auf die Beine stellen.

Wo sehen Sie beim Wohnen im Alter die grössten Bedürfnisse?

Zum einen, dass man auch nach der Pensionierung das Gefühl hat, gebraucht werden, nicht zum alten Eisen zu gehören. Das andere ist das Bedürfnis des älteren Menschen nach Sicherheit, das Wissen, dass man im Notfall irgendwo auf einen „Knopf drücken“ kann und dann Hilfe bekommt.

Aber bei Pflegebedürftigkeit muss man die Alterswohnungen verlassen?

Nicht unbedingt, Es gibt ja auch die Möglichkeit der Spitex, das kann noch lange funktionieren. Probleme entstehen eingentlich vor allem bei fortgeschrittener Demenz, da wird es für so gemeinschaftliche Wohnsituationen schwierig. Wobei das ja schleichend ist, eine Demenz kann sich über längere Zeit entwickeln. Oder wenn jemand wirklich akut pflegebedürftig wird. Auch dann kann derZeitpunkt gekommen sein, an dem man die Verantwortung nicht mehr übernehmen will und eine andere Lösung gesucht werden muss. Für die akute Pflegebedürftigkeit haben wir von der CMS kein spezifisches Angebot.

Wie sieht es finanziell aus: Wer kann sich Ihr Angebot leisten?

Grundsätzlich subventionieren wir keine Wohnungen . und wir bekommen auch keine subventionen. Aber wir haben eher günstige Mietzinse. Dadurch, dass da auch verschiedene Angebote im Mietzins ingbegriffen sind wie Pikettdienst, Wäscheservice, Besuchsdienst u ä sind die Mietzinse insgesamt eher moderat. Wir haben überhaupt kein Problem, die Wohnungen zu vermieten, im Gegenteil, die Nachfrage ist gross.