phone-xs phone-sm tablet-md laptop-lg desktop-xl
Alt? Forschungsprojekt Altersdiskriminierung

Jungregisseure schärfen den Blick

Alt? Eine Frage des Blickwinkels!

18 Kurzfilme von Studierenden aus der Westschweiz zeigen ganz verschiedene Lebensrealitäten von alten Menschen. Dieses vom schweizerischen Nationalfonds getragene Projekt will das Bewusstsein für Diskriminierung von älteren Menschen schärfen und die Einstellung gegenüber dem Alter und dem Älterwerden verändern. In Basel machte es im Kino Küchlin Station.

Szene aus "Josette* von Jan Kessler

Ein Film, in dem kein Wort gesprochen wird. Zwei alte Menschen, vermutlich ein Ehepaar, bei ihren alltäglichen Verrichtungen, lesen, essen, kochen und dann sitzen sie vor ihrem Häuschen und es scheint, als sei ihre Welt in Ordnung. «Jenseits der Gipfel» heisst der Film, gedreht hat ihn Louis Hans-Moevi.

Ein zweiter Film. «Die Damen vom 2ten» von Yatoni Roy Cantu: Eine alte Frau, sie redet viel, wirkt sehr reflektiert, schildert ihr Dasein im Alters- und Pflegeheim irgendwo im Welschland. Sie beschreibt ihre Welt, ihre sozialen Kontakte im Heim, schildert die Pflegepersonen mit Wärme, wir spüren, sie ist einsam, wenn auch nicht allein. Wir, im Zuschauerraum, möchten wohl alle nicht mir ihr tauschen.

Die beiden Filme sind entstanden im Rahmen des Nationalfonds-Projekts «zur Sensibilisierung für Altersdiskriminierung und Misshandlung älterer Menschen.»*

Die Kurzfilme, insgesamt sind es acht, wurden gedreht von Studierenden der ECAL (Kantonale Hochschule für Kunst und Design in Lausanne). Sie bieten, so schreibt das Projektteam, «originelle und einfühlsame Perspektiven auf das Alter, auf generationenübergreifende Beziehungen sowie auf die Risiken für Misshandlung und Diskriminierung im Alter». Stimmt. Und die Filme gehen an die Nieren.

«Wir» das sind, neben den am Projekt Beteiligten, die Zuschauerinnen und Zuschauer.

18 kostenlose Filmvorführungen wurden dieses Frühjahr und Sommer im Rahmen dieses Projekts in den Kinos der Romandie sowie im Raum Zürich und Basel organisiert, mit dem Ziel, generationenübergreifend ein älteres und jüngeres Publikum miteinander in den Dialog treten zu lassen. Gekommen sind an diesem Abend im Basler Kino Küchlin rund zwei Dutzend vorwiegend ältere Menschen, um sich die beiden Filme anzuschauen und anschliessend miteinander zu diskutieren. Angestossen wurde dieses Gespräch von Dr. Michael Rost, Mitglied des Projektteams vom Institut für Bio- und Medizinethik der Universität Basel.

Darin ging es um die Separierung des alten Menschen von der Gesellschaft, zum Beispiel im Alters- und Pflegeheim. Es ging um die Autonomie über sich selbst. Es ging um die Wahlfreiheit, wie man im Alter leben möchte, vorausgesetzt, die Gesundheit an Körper und Geist lässt einem diese Wahl. Es ging um grosse Fragen, und das Publikum zeigte sich erstaunlich offen und gesprächsbereit. Und je länger das Gespräch dauerte, umso sinnvoller erschien dieser Anlass. Weil sich die Erkenntnis (wieder einmal breit macht: Es braucht viele Schritte für einen so grossen Schritt.

Fazit: Denkanstoss

Vielleicht war der Anspruch der Veranstalter, der Studierenden und der Forschenden dank diesem Projekt Denkmuster aufzubrechen, einen Dialog anzustossen, Verständnis zu schaffen, Veränderungen zu fördern, zu gross.

Vielleicht ist das nicht gelungen. Aber wie sagte eine Zuschauerin: Eine Veranstaltung wie diese zeigt, wie wichtig es ist, dass man die Fragen zum eigenen hohen Alter, wie wir es verbringen wollen und können, nicht verdrängt. Dass man sich diesen Fragen stellt. Die Welt wurde an diesem Abend nicht verändert, aber vielleicht ein guter Ansatz in die Köpfe der Anwesenden gepflanzt. Das ist schon viel.

«Ändern wir unseren Blick auf das Alter», so wird es nochmals heissen an der Schlussveranstaltung zum gleichnamigen Projekt am 1.Oktober in Bern, im CineMovie, 18 Uhr. Aus Anlass des internationalen Tag des älteren Menschen 2019.

Weitere Informationen über die Filme und das Forschungsprojekt

Institut für Bio- und Medizinethik Universität Basel

Info-Broschüre