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Geben und Nehmen

Drehscheibe GGG Benevol

GGG Benevol, die Beratungs- und Vermittlungsstelle für Freiwilligenarbeit, feiert 2017 ihr 25 Jahr –Jubiläum. Menschen, die sich freiwillig und uneigennützig in gemeinnützigen Institutionen engagieren wollen - das Geben und Nehmen spielt in beide Richtungen. Ein Gespräch mit der Geschäftsführerin Ursula Baum.

Ideal ist, was man gerne macht!

Freiwilliger und Blinder beim Jogging

Welche Leute suchen Sie oder wo ist der grösste Bedarf?

Ursula Baum: Der Bedarf ist breit, daher suchen wir sehr unterschiedliche Menschen. Die jüngste von uns vermittelte Person ist 14, der älteste über 80. Auf unserem Portal „Jobbörse“ sind die Einsatzmöglichkeiten entsprechend beschrieben und mit Jobanforderungen dargestellt, damit bei der Suche klar ersichtlich wird, welche Anforderungen gestellt werden, was jemand mitbringen muss an zeitlichen Möglichkeiten, an Verbindlichkeit, an Knowhow etc. demgegenüber muss aber auch ersichtlich werden, was man dafür bekommt. So kann man ein passendes Engagement auswählen.

Ist es empfehlenswert, dass man in seinem Beruf bleibt, wenn man pensioniert ist, und so automatisch über das Knowhow verfügt?

Es gibt Pensionierte, die gern da weitermachen, wo sie sich erfahren und kompetent fühlen. Es gibt aber genau das Umgekehrte - Leute die sagen, jetzt habe ich das mein Leben lang gemacht, jetzt will ich etwas anderes, ganz Neues ausprobieren! Wir beraten jede Person individuell, schauen genau, was jemand wirklich möchte. Das ist im nämlich oft gar nicht so klar und ergibt sich erst im Gespräch. Wichtig ist, dass die Person motiviert ist und die Rahmenbedingungen erfüllen kann, um der gewünschten Tätigkeit nachzugehen.

Schauen Sie im Beratungsgespräch, ob sich die Person für die Aufgabe eignet oder Sie erklären ihr, was auf sie zukommt?

Wir schauen zuerst gemeinsam, warum will sich jemand engagieren, was ist die Motivation, mit einer bestimmten Zielgruppe zu arbeiten. Wenn zum Beispiel jemand gerade einen Elternteil im Pflegeheim bis in den Tod begleitet hat und sie meldet sich für eine Aufgabe in der Altersbetreuung, dann fragen wir nach, ob das wirklich ihr Wunsch ist. Die einen finden es schön, die Erfahrungen weiter einzubringen, andere freuen sich über neue Ideen. Wir entscheiden aber nicht über die Eignung, sondern geben nur Hinweise.

Ursula Baum

Was ist denn die ideale Motivation? Helfen wollen?

Ideal ist das, was man gern macht. Die meisten der erfolgreichen Freiwilligen machen das, was ihnen Spass macht und sind dann auch sehr erfolgreich. Dazu gibt es Studien. So hat sich etwa gezeigt, dass Berufstätige, die sich nebenher freiwillig engagieren, oft gesünder sind als die, die das nicht machen. Weil sie die freiwillige Arbeit als Ausgleich erleben, als Steigerung der Lebensqualität. Ich denke, genau das sollte die Motivation sein.

Es heisst ja, die beste Ausgangssituation ist die Win-win-Situation, wenn beide etwas davon haben.

Ganz genau.

Der jüngste Freiwilligenmonitor zeigt ein rückläufiges Interesse an Freiwilligenarbeit. Andererseits habe ich den Eindruck, man spricht viel über das freiwillige Engagement, dann müsste es doch eigentlich zugenommen haben. Was stimmt nun?

Es stimmt beides. Die absoluten Zahlen gehen zurück. Das hat mit unserer veränderten Lebenssituation zu tun. Früher trat man vorab in den ländlichen Gegenden in jungen Jahren ganz selbstverständlich dem Gesangsverein oder dem Turnverein bei, übernahm eine Aufgabe und blieb dabei bis zur Verabschiedung als Ehrenmitglied. Das hat sich verändert. Die Menschen müssen heute mobil sein, die Zeit ist begrenzt, viele sind berufstätig und lokal nicht mehr so verankert. In den Städten ist die Nachfrage nach Beratung stark angestiegen. Es werden konkrete Aufgaben gesucht, die sinnvoll, sowie inhaltlich und zeitlich klar umrissen sind. Man will sich vernetzen und parallel etwas Gutes tun.

Es ist also nicht so, dass die Leute heute egoistischer geworden sind?

Man gesteht sich heute vielleicht eher zu, dass man auch einen Gewinn von einem freiwilligen Engagement haben will. Der kann ganz verschieden sein. Neben Kontakt mit anderen Menschen, Freude am konkreten Engagement, kann es auch der Kompetenzerwerb sein. Ein Pfadilagerleiter hat schon eine Gruppe geführt, was ihm hilft im Team zu arbeiten und dieses vielleicht zu führen. Nicht vergessen darf man die Wertschätzung: Zum Beispiel fällt mit der Pensionierung die gewohnte berufliche Anerkennung weg. Ein freiwilliges Engagement schafft die Möglichkeit, seine Fähigkeiten einzubringen und dafür auch Lob und Anerkennung zu ernten. Das Geben und Nehmen spielt in beide Richtungen.

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