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GGG Benevol: Anleitung zum Geben und Nehmen

GGG Benevol ist die Beratungs- und Vermittlungsstelle, wenn es darum geht, Menschen, die sich freiwillig und unentgeltlich engagieren möchten, mit gemeinnützigen Institutionen zusammenzubringen. Jemand möchte an einem freien nachmittag etwas Sinnvolles tun? Ein Altersheim oder ein Sportverein meldet seinen Bedarf. Von Wünschen, Anforderungesprofil und Standards, die eingehalten sein wollen – ein Gespräch mit Geschäftsführerin Pasqualina Barazza.

„Freiwilligenarbeit bringt beiden Seiten etwas"

Ganz allgemein: Welche Leute suchen Sie und wo ist der grösste Bedarf?

Pasqualina Barazza: Alle möglichen Leute, wir haben keine bestimmte Zielgruppe vor Augen. Junge, Ältere, Menschen mit besonderen Fähigkeiten oder auch einfach Menschen, die sich engagieren möchten, die Spass daran haben, etwas Sinnvolles zu tun – wir sind für alle offen. Wichtig ist einfach, dass jemand motiviert ist und auch fit genug, um der gewünschten Tätigkeit nachzugehen.

Es wird heute politisch und medial einiges unternommen, um vermehrt auf die Möglichkeit von Freiwilligenarbeit aufmerksam zu machen. Gibt es tatsächlich auch mehr Freiwillige oder täuscht der Eindruck?

Rein von den Zahlen her besehen ist Freiwilligenarbeit gesamtschweizerisch leicht rückläufig. Wir bei GGG Benevol erleben das nicht so. Klar ist, immer weniger Menschen haben Zeit für langfristige Engagements, etwa ein Ehrenamt auf unbefristete Zeit. Der Wunsch, etwas zu machen, ist da, aber eher befristet, vielleicht auch projektbezogen.

Sie, als Vermittlerin, stellen sogenannte Standards auf, die erfüllt sein müssen. Die suchenden Institutionen beschreiben die Tätigkeit, für die Freiwillige gesucht werden: Wer prüft, dass alles korrekt vor sich geht und die Standards auch eingehalten werden?

Wir treffen eine Vorselektion, wer sich aufgrund des Anforderungsprofils für welche Arbeit eignen würde. Das Profil gibt die Institution vor: Was wird gesucht? Welche Qualifikation muss jemand mitbringen? Handkehrum: welches Interesse bringt jemand mit? Wenn dieses Klärungsgespräch ergibt, dass sich diese Frau oder dieser Mann für die gesuchte Tätigkeit eignet, bringen wir beide Seiten zusammen. Schlussendlich liegt die Verantwortung für den Einsatz bei der Organisation. Wenn es darum geht, Freiwillige in heiklen oder sensiblen Bereichen, etwa der Betreuung von Kindern oder von alten Menschen, einzusetzen, dann muss die Organisation natürlich die entsprechenden Vorkehrungen treffen. Sei es, dass eine Leumundsabklärung stattfindet oder dass die Freiwilligen zuerst eine Ausbildung durchlaufen müssen. Beispielsweise beim Nottelefon (siehe http://www.ggg-benevol.ch/) - da wird von den Mitarbeitenden eine mehrwöchige Ausbildung verlangt, die vor dem ersten Einsatz absolviert werden muss.

Kann man sich bei Ihnen auch mit einem Projekt melden, für das Freiwllige gesucht werden?

Wir vermitteln nur organisierte Freiwilligenarbeit in gemeinnützigen Institutionen. Es können sich bei uns nicht einfach Privatpersonen melden, die jemand suchen. Für das gibt es zum Beispiel das „Nachbarnet (Link). Dort geht es um solche Privatvermittlung. Bei uns muss es sich um eine nicht gewinnorientierte, gemeinnützige Organisation handeln. Es muss jemand die Verantwortung, die die Beschäftigung von Freiwilligen mit sich bringt, auch übernehmen können. Wir bieten auch Beratung an, wenn es darum geht, einen Freiwilligendienst aufzubauen.

Wenn ich persönlich jetzt den Wunsch hätte, einen Menschen im Altersheim an einem Nachmittag in der Woche zu begleiten. An wen wende ich mich?

Entweder Sie melden sich direkt bei einem Alterszentrum. Oder Sie kommen zu uns und wir geben Ihnen eine Auswahl von Institutionen, die Freiwillige in diesem Bereich über uns suchen. Für welche Tätigkeiten, was die Anforderungen sind, was der zeitliche Aufgwand ist und welche Dienstleitungen Sie dafür erwarten dürfen. Denn Sie bekommen auch etwas zurück.

Was genau?

Da gibt es ganz verschiedene Dinge, es hängt natürlich von der Motivation ab. Es gibt die immateriellen Werte, die man zurückbekommt. Anerkennung, die Zufriedenheit, Teil von etwas zu sein, die Möglichkeit,neue Kontakte zu knüpfen. Man geht mit dem Gefühl nach Hause, etwas Sinnvolles geleistet zu haben, man konnte etwas mitgestalten, hat Verantwortung übernommen. Konkret materiell bekommt man die Auslagen, die man hatte, zurückerstattet. Je nach Institution erhält man auch Vergünstigungen, etwa einen Rabatt in der Kantine, oder vielleicht übernimmt die Organisation Weiterbildungskosten. Und schliesslich bekommt man für das Geleistete einen Ausweis.

Das war früher der Sozialzeitausweis?

Genau, heute heisst er „Dossier freiwillig engagiert“. Analog einem Arbeitszeugnis ist darin beschrieben, welche Tätigkeit man ausgeübt und welche Kompetenzen man dabei erworben hat. Das ist insbesonder auch für jüngere Menschen interessant, die diesen Ausweis ihren Bewerbungen beilegen können.

Jemand wird pensioniert und befürchtet, in ein Loch zu fallen. Ist das eine gute Voraussetzung für Freiwilligenarbeit?

Ja, unbedingt. Es ist ja generell so, dass Freiwilligenarbeit durchaus aus altruistischen aber eben auch aus egoistischen Motiven erbracht wird. Freiwilligenarbeit ist zwar logischerweise unentgeltlich, gibt aber einem selber viel zurück. Aus diesem Grund stellen wir bei Vorbereitungskursen auf die Pensionierung die Möglichkeit der Frewilligenarbeit sehr oft und sehr gerne vor. Freiwlligenarbeit kann durchaus eine Lücke füllen, geben und Nehmen, das spielt in beide Richtungen.

Link GGG Benevol

Link Dossier