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Ein Dok-Film über das Glück der späten Jahre

Franz und Yvonne

„…dem Glück einen Stuhl hinstellen, wenn es vorbeischaut.“

Als sie sein Inserat im VCS-Heftli gelesen hat, musste sie laut herauslachen: „Mir stinkts!“ stand da, und dieses Lachen machte den Weg frei für eine glückliche und bereits über ein Jahr dauernde innige Beziehung. In ihrem Film „Späte Liebe“ hat die Fernsehjournalistin Andrea Pfalzgraf vier Paare porträtiert, die in reifen Jahren nochmals und meist ganz unerwartet auf die grosse Liebe gestossen sind. Bei manchen hat es sofort „geschnaggelt“ wie die heute 75 jährige Gudrun im Film freimütig erzählt, bei anderen ist die Liebe langsam gewachsen. Wie bei Yvonne.

Wir treffen uns in Basel im "Café zum Kuss", das passt, meint Yvonne, heute 63. Sie ist mit Franz, heute 71, seit gut einem Jahr glücklich, erfährt eine Liebe, die wärmt. Obwohl sie sie eigentlich gar nicht gesucht hat. Sie lebte zufrieden in einer Frauen-WG, fühlte sich weder besonders einsam noch allein. „Aber," sie lächelt, „wenn das Glück vorbeikommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen.“ Dem Glück die Chance geben. Die Baslerin lebt heute in Aarau, ihr Partner in Zürich, eine Distanz, die immer wieder Nähe und Spannung zulässt. Wie kostbar eine „späte Liebe“ sein kann, wie befreiend es ist, sich ohne klischierte Erwartungen zu akzeptieren, so, wie man ist. Mit allen Seiten, die das Älterwerden mit sich bringen, davon erzählen alle Filmpaare. Reden von Falten und Fältchen bis hin zu körperlichen Gebrechen, über die sie grosszügig hinwegsehen. Wie das Paar, das in der gemeinsamen Wohnung in einer Altersresidenz dankbar annimmt, was das Leben so bietet. Das gemeinsam genossene Glas Wein auf dem Balkon, zum Beispiel. Der Schwumm im Hallenbad, oder die Jüngern, den kleinen Ausflug mit dem Ruderboot. Geniessen was möglich ist: Diese Dankbarkeit für das späte Glück, für die Freundschaft, die man sich entgegenbringt, die Achtung und den Respekt: Dies ist allen vier Paaren gelungen, die in diesem hinreissend offenherzigen und charmanten Film porträtiert werden. Sie haben gelernt, mit den Stärken und Schwächen des Partners oder der Partnerin zu leben und die hoffnungsvollen, liebevollen Seiten eines für alle gänzlich unerwarteten gemeinsamen Wegs zu erkennen. Dafür braucht es vermutlich Reife, sagt Yvonne. Es braucht Mut und Offenheit. Und dieser Film macht Mut. Weil Liebe keine Frage des Alters ist, aber eben, wie Yvonne sagte, man muss dem Glück schon einen Stuhl hinstellen, wenn es vorbeischaut.

Der SRF-DOK Film "Späte Liebe" von Andrea Pfalzgraf wird auf SRF 1 ausgestrahlt am 17. Januar 2019 um 20.05 Uhr und wiederhholt am 18. Januar 11.15 Uhr.

Flyer

Dok-Film "Späte Liebe