phone-xs phone-sm tablet-md laptop-lg desktop-xl

Vorschau auf den vierten Marktplatz 55+

«Der Roboter kann reden, laufen und sogar mit den Augen rollen»

Dass der Marktplatz 55+ am 28. September 2019 bereits zum vierten Mal in der Markthalle stattfand, ist in erster Linie ihr zu verdanken: Denise Moser. Zusammen mit einem Team innovativer Köpfe hat die Gründerin und Leiterin mit enormem Elan und Begeisterungsfähigkeit erneut die Trägerorganisationen und Aussteller zum Mitmachen motiviert. Das «Neubadmagazin» hat sich im Vorfeld des 4. Marktplatzes mit der Neubaderin unterhalten. Und weil uns dieses Gespräch so gut gefiel, drucken wir es, mit freundlicher Genehmigung, hier ab:

Frau Moser, Der Marktplatz 55+ findet nun zum vierten Mal statt. Wie ist die Idee eigentlich entstanden?

Die Idee habe ich einer ähnlichen Veranstaltung in Luzern abgekupfert. Das Sozialdepartement führt dort etwas Ähnliches unter dem Titel 60+ durch. Ich habe meinen Vorschlag dem Verein Innovage Nordwestschweiz, wo ich Mitglied bin, vorgetragen. Innovage ist eine Interessengemeinschaft von erfahrenen Fach- und Führungskräften aus den verschiedensten Berufsfeldern, die nach der Pensionierung ihr Wissen und ihre Erfahrung unentgeltlich für die Beratung und Begleitung von Non Profit Projekten zur Verfügung stellen. Innovage war offen für meine Idee und wir haben diese, mit mir als Projektleiterin, lanciert. Die ersten zwei Jahre haben wir den Anlass aus dem Stand mit Sponsoren finanziert, seit letztem Jahr gibt es aber eine Trägerschaft, bestehend aus Kantonspolizei und Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Pro Senectute beider Basel, GGG Benevol und Innovage Nordwestschweiz.

Warum eigentlich 55+?

Einerseits läuft die Alterspolitik des Kantons unter dem Titel 55+, andererseits sagte der ehemalige Regierungsrat Carlo Conti, man solle mit 55 anfangen, das Alter zu planen. Daher der Name Marktplatz 55+.

><Dann richtet sich die Veranstaltung an Personen ab 55?>>

Das ist die Zielgruppe, wobei wir diese in zwei Gruppen unterteilen: die jüngeren Älteren, die noch aktiv im Leben stehen und die wirklich Betagten, die vielleicht auch im Alltag Unterstützung brauchen. Aber natürlich ist die Veranstaltung auch für Junge offen – wird möchten auch den Dialog zwischen den Generationen fördern.

Schwerpunkt wird bei der kommenden Ausgabe das Thema Digitalisierung sein. Was können die Besucherinnen und Besucher erwarten?

Es geht darum, zu zeigen, dass die Digitalisierung heute zum Leben gehört. Zudem wollen wir Berührungsängste abbauen. Die Angebote vor Ort werden niederschwellig sein und den Interessierten einfache und kompetente Hilfe in allen Fragen rund um digitale Geräte liefern. So ist etwa die GGG mit ihrem Angebot «Digi Coach» mit dabei oder Pro Senectute mit ihrem «Digital Café». Auch das Haus der Elektronischen Künste Basel wird vor Ort sein und zeigen, wie digitale Kunst aussehen kann. Insgesamt sind es 42 Organisationen, die unentgeltlich (?) mitmachen.

Einen ganz besonderen Höhepunkt haben Sie noch nicht erwähnt…

Richtig. Das Interdisziplinäre Kompetenzzentrum Alter (IKOA) der Fachhochschule St. Gallen wird mit einem Roboter vor Ort sein. Das Kompetenzzentrum forscht über den Einsatz von Robotik im Alter – etwa im häuslichen oder im stationären Umfeld. Ein dafür entwickelter Prototyp heisst NAO Der Roboter kann reden, laufen und sogar die Augen rollen. Und er ist recht sympathisch. Expertinnen und Experten werden auch vor Ort sein und Fragen rund um Robotik im Alter beantworten.

Sie sind 76 Jahre alt, jedoch voller Energie. Und Sie scheinen viel Erfahrung mitzubringen. Was haben Sie denn beruflich gemacht?

Ich komme aus dem Medienbereich und habe 37 Jahre bei der SRG im Studio Basel gearbeitet. Zehn Jahre davon war ich Abteilungscontrollerin in der Programmleitung. Alles, was mit Geld zu tun hatte, lief dort über meinen Tisch. Nach meiner Pensionierung – ich hatte das Glück selber über den Zeitpunkt meiner Pensionierung bestimmen zu können - war ich dreizehn Jahre Präsidentin der Kommission GGG Benevol, dem Kompetenzzentrum für Freiwilligenarbeit in Basel und anschliessen sechs Jahre Präsidentin von Innovage Schweiz. Über die Jahrzehnte konnte ich so ein grosses Netzwerk aufbauen, von dem ich jetzt profitiere.

Nicht alle in ihrem Alter sind so aktiv…. Wie machen Sie das?

Voraussetzung ist natürlich, dass die Gesundheit mitspielt. Das ist bei mir der Fall. Wenn man aber gesund ist, sollte man aktiv und neugierig bleiben, sich informieren. Je mehr man mit Leuten zu tun hat, desto besser vergisst man das Alter. Ich halte nichts von Jammern. Ein gutes Stück hat man es selber in der Hand, wie man sein Alter gestalten kann. Ältere Menschen müssen ihre Bedürfnisse einbringen – so ist zum Beispiel bei der Entwicklung von Robotern als Hilfe für ältere Menschen deren aktive Teilnahme gefragt.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich über Freiwilligenarbeit einzubringen….

Ja, die gibt es, man kann sozusagen aus dem Vollen schöpfen. Voraussetzung ist, dass man nicht auf zusätzliche Einkünfte angewiesen ist und sich freiwilliges Engagement leisten kann. Das ist ein Privileg.

Interview: Caspar Reimer; Foto: IKOA FGS St. Gallen; Juri Weiss