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Schappo für Wegbegleitung

Wegbegleitung

Grosse Ehre für das ökumenische Gemeinschaftsprojekt „Wegbegleitung Basel“: Den rund dreissig freiwilligen Helferinnen und Helfern, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleiten und beratend beistehen, wurde der erste Schappo-Preis des Jahres 2012 verliehen. Stellvertretend für das Team erzählen Maja Studer und Josette Müller über Möglichkeiten und Grenzen ihres freiwilligen Einsatzes bei der „Wegbegleitung Basel“.

Zwei Helferinnen: „Etwas Sinnvolles und Gutes für die Gemeinschaft tun“

Das Beispiel „Wegbegleitung Basel“ zeige, dass ein freiwilliges Engagement innerhalb kurzer Zeit und mit wenig Mitteln sehr viel bewegen kann“, lobte Regierungspräsident Guy Morin anlässlich der Schappo-Preisverleihung am 9. Februar 2012. Bei der „Wegbegleitung Basel“ handelt es sich um ein ökumenisches Projekt der evangelisch-reformierten und der römisch-katholischen Kirchen von Basel-Stadt.

Die kirchlichen Fachstellen bauen den Kontakt zu Menschen in kritischen Lebenssituationen auf und bringen die Hilfesuchenden mit einem der rund dreissig Wegbegleiter(innen) zusammen. Zwei dieser Wegbegleiterinnen sind Josette Müller und Maja Studer. Beide arbeiteten vor ihrer Pensionierung, die wenige Jahre zurückliegt, im Bereich Pflege. Die Ordensfrau Josette Müller leitete 20 Jahre lang ein Alters- und Pflegeheim in Riehen. Die Pflegefachfrau Maja Studer wiederum war früher im akutmedizinischen Bereich tätig.

Dass sich zwei Frauen über ihre Funktion in dieser Basler Institution äusserten, ist kaum ein Zufall. „75 bis 80 Prozent der Helfenden bei uns sind Frauen“, schätzen die beiden. Das Übergewicht des weiblichen Geschlechts bei Freiwilligen-Organisationen hat Tradition. Bei der Frage, ob das etwas mit der fehlenden Bezahlung zu tun haben könnte, schmunzeln sie nur.

Aber wie dem auch sei: Den beiden macht die Arbeit jedenfalls grossen Spass, wie sie versichern. Antriebskraft für sie sei der Wunsch gewesen, etwas Sinnvolles und Gutes für die Gemeinschaft zu tun und Freude daran zu haben, etwas für andere zu unternehmen. Das habe sie 2011 auch am Freiwilligenkongress in Strassburg als Vertreterin der Wegbegleitung Basel betont, sagt Maja Studer.

Der Kontakt zwischen unterstützender und hilfesuchender Person ist bei der Wegbegleitung Basel in der Regel auf sechs Monate beschränkt. „Ein bis maximal zwei Treffen wöchentlich ist die Norm“, sagt Josette Müller. Neben Gesprächen seien manchmal auch Begleitungen beispielsweise durch den Ämterdschungel gefragt.

Nach dem ersten halben Jahr werde die Situation mit der Leitung analysiert. In der Regel werde eine Begleitung in gegenseitigem Einverständnis zwischen Betroffenen und der freiwilligen Person auf zwölf Monate verlängert. Nur ganz selten jedoch werde über diese Grenze hinausgegangen.

Ob man sich für die Funktion als Wegbegleiter oder Wegbegleiterin eignet, wird vorgängig in einem persönlichen Gespräch mit der Projektleitung evaluiert. Kommunikativ sollte man in jedem Fall sein, gut zuhören und auf das Gegenüber eingehen können und wollen, heben die zwei Frauen hervor. Spezialkenntnisse, wie sie Maja Studer beispielsweise im Suchtbereich besitzt, sind zwar nicht erforderlich, aber von Nutzen.

Obwohl die Kirchen als Promotoren des Projekts wirkten, spiele die Religion eine völlig untergeordnete Rolle. „Wir drängen niemandem etwas auf“. Wenn aber Betroffene das Bedürfnis haben, zusammen zu beten, komme man diesem (selten vorgetragenen) Wunsch durchaus nach.

Das Angebot der Mitarbeitenden der Wegbegleitung Basel ist niederschwelliger Natur. Keinesfalls hätten sie die Aufgabe, ebensowenig die Kenntnisse, um Berufsfachleuten beispielsweise aus der Psychologie das Feld streitig zu machen. „Wir sind geschulte Laien, nicht mehr“, betonen sie. Wenn bei einer begleitenden Person Anzeichen für ein Leiden besteht, das professioneller Hilfe bedarf, würde diese Feststellung an die Projektleitung weitervermittelt.

Fortbildungskurse und Gemeinschaftsevent ermöglichen den Freiwilligen, verschiedenste Fälle zu besprechen. Ein wichtiges Thema betreffe immer wieder Fragen nach der (notwendigen) Abgrenzung zwischen der betreuenden und der betreuten Person. Von einem allzu engen Verhältnis, beispielsweise ein gemeinsames Verbringen der Freizeit, sei tendenziell abzuraten, sind sich Josette Müller und Maja Studer im Einklang mit der Leitung einig.

Die Freiwilligen werden wie erwähnt nicht bezahlt, handkehrum kann die Dienstleistung kostenlos in Anspruch genommen werden. Abschliessende Frage an Daniel Wiederkehr von der Wegbegleitung Basel: Gibt es in dieser Institution eigentlich eher zuviele Freiwillige oder eher zuviele Hilfesuchende? Diese Frage lasse sich gar nicht so einfach beantworten. Nachfrage und Angebot würden sich gegenseitig beeinflussen, sagt der Projektleiter. Wenn das Projekt in der Bevölkerung noch besser bekannt werde, sei mit einer Zunahme von beiden Seiten zu rechnen.

Weitere Infos unter http://www.schappo.bs.ch/

Interessieren Sie sich für das Projekt Wegbegleitung?

http://www.wegbegleitung-bs.ch/informationen