phone-xs phone-sm tablet-md laptop-lg desktop-xl

Wohnungen mit Serviceangebot

Nicht Altersheim und doch nicht allein auf weiter Flur. Seinen eigenen Tagesrhytmus leben und doch einfach und schnell Hilfe bekommen, wenn es nötig ist: Das bieten die Wohnungen mit Serviceangebot. Fast wie Batzen und Weggli.

Selbständig aber nicht allein

Manchmal gibt ein einschneidendes Ereignis den Ausschlag. Manchmal wächst die Erkenntnis langsam: Dass man eigentlich nicht mehr länger im unpraktischen Haus mit seinen vielen Treppenstufen oder in der zu gross gewordenen Familienwohnung am Stadtrand leben möchte.

Dann kommt vielleicht der Wunsch nach Wohnen mit mehr Sicherheit oder auch mit mehr sozialen Kontakten auf. Nicht Alters-WG, nicht Alterssiedlung - seit einem Jahr kennt Basel-Stadt das „Wohnen mit Serviceangebot“, bei dem auch staatliche Unterstützung gewährt wird. Mieterinnen und Mieter führen den eigenen Haushalt selbständig und sind doch an die Infrastruktur eines Heimes angekoppelt. In den letzten rund zehn Jahren sind verschiedene Basler Alters- und Pflegeheime dazu übergegangen, Raum für solche Wohnungen zu schaffen, und bei sämtlichen Umbau- oder Neubauprojekten von Alters- und Pflegeheimen in Basel werden Wohnungen mit Serviceangebot eingeplant. Die Nachfrage ist gross, überall gibt es Wartelisten. Im Gustav Benz Haus etwa im Kleinbasel sind es insgesamt 37 1 - bis 3,5-Zimmerwohnungen, und alle sind, so Ruth Häberli, die Heimleiterin, problemlos vermietet, kosten, je nach Grösse, zwischen 770 und 2400 Franken im Monat. Die Betreuungspauschale beträgt 250 Franken.

Allen Wohnungen gemeinsam ist, dass die Bewohnerinnen und Bewohner zwar selbständig wohnen, aber je nach Bedarf eine bestimmte Serviceleistung beanspruchen können, von der wöchentlichen Wohnungsreinigung über die Wäschebesorgung bis hin zu Teilnahme an Ergotherapie, oder Buchung von Coiffeur und Pedicure. Einkommensschwache Mieterinnen und Mieter können in den Genuss von Ergänzungsleistungen bzw. Rückerstattung der Kosten für einen Teil der Serviceleistungen, das sogenannte Grundangebot, kommen, so Jessica Brunner, akademische Mitarbeiterin der Abteilung Langzeitpflege im Gesundheitsdepartement Basel-Stadt und unter anderem für diesen Bereich zuständig. Das Grundangebot umfasst 24-Stunden-Notrufbereitschaft, täglicher Kurzkontakt (wenn gewünscht), Grundbetreuung (Kurzberatung bei Fragen aller Art) und wöchentliche Wohnungsreinigung (fakultativ). Alle übrigen Dienstleistungen können, je nach Bedarf, zusammengestellt und „hinzugekauft“ werden: Mahlzeiten, Putzhilfe, bis hin zu eigentlichen Pflegeleistungen.

Und was geschieht, wenn jemand pflegebedürftig wird? Sehr oft lässt sich der Umzug in das Pflegeheim noch sehr lange hinauszögern oder überhaupt vermeiden, da gewisse Pflegeleistungen beansprucht werden können. "Schwierig", meint Jessica Brunner, "wird es eigentlich erst bei dauernder Bettlägrigkeit."

Aber bis es so weit ist, gibt es noch viele Facetten des autonomen Lebens, das mit diesen Wohnformen à la carte gefördert wird. Idealerweise erfolgt der Umzug in die Wohnung dann, wenn man noch rüstig ist, und vielleicht erste Gebrechen darauf hindeuten, dass es gut wäre, sich mit der eigenen Wohnsituation im Alter zu befassen. Weil man in zehn, fünfzehn Jahren vielleicht sehr froh drum ist. Aber so verschieden, wie sich das Altern bei jedem Menschen abspielt, so individuell ist auch dieser ideale Zeitpunkt.

Zum Weiterlesen

Ein Beispiel, wie der Umzug im höheren Alter erlebt werden kann, zeigt der Essay der Schriftstellerin Judith Giovanelli-Blocher, abgedruckt im überaus lesenwerten „Age Dossier“ der age stiftung, „Wohnen im Alter: gestern-heute morgen“

"Wir wohnten so schön – alle haben uns das bestätigt: ruhiges, gepflegtes Quartier, geräumige helle Wohnung im zweiten Stock eines Dreifamilienhauses, ein Ginko-Baum vor dem Balkon, im Herbst das reine Gold verstreuend, Vogelstimmen das ganze Jahr, Pfauenrufe aus dem Park der nahen Villa, gute Kontakte zu unseren Nachbarn… Kurz vor meinem 80. Geburtstag entschieden mein Mann und ich uns für eine neue Wohnung– eine komplette Überraschung für unsere Umgebung. „Wieso jetzt?”, fragten sie."

Infos zum Wohnen mit Serviceangebot

Finanzielle Infos gibt es beim Amt für Sozialbeiträge